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Liebfrauenkirche

Sie ist die Ältesten rein gotischen Kirche Deutschlands

(Abb.1) © LoKiLeCh

Die Liebfrauenkirche ist ein auf der Grundform des Kreuzes basierender Zentralbau mit je zwei Kapellen in den Kreuzecken und einer Vierung in der Mitte. So entsteht im Untergeschoss der Grundriss einer Rose (der Rose mystica – ihrer Patronin). Im Mittelgeschoss, oberhalb der Kapellengewölbe befindet sich eine Kreuzbasilika und darüber im Vierungsturm die zentrale Kuppel. Vier Portale öffnen sich nach den vier Himmelsrichtungen. Mit baulich zwingender Notwendigkeit steht die Kirche auf 12 Säulen. So ist sie erbaut auf dem Fundament der zwölf Apostel, die das Gebäude in Form von zwölf Säulen tragen.

(Abb.2) Grundriss von Liebfrauen gleicht einer Rose

Der Eingangsbereich des Westportal (Haupteingang) wurde im Gegensatz zu dem mit einfachem Blattschmuck verziertem Ostportal (Richtung Kreuzgang) mit aufwendigem Figuren geschmückt. 

(Abb.3) Haupteingang der Liebfrauenkirche

Einige dieser Figuren sind im Laufe der Jahre verloren gegangen; die meisten Großfiguren befinden sich mittlerweile zu ihrem Schutz im Museum. Mit einem Durchgang ist die Liebfrauenkirche mit dem Dom verbunden.

Zur Baugeschichte

Wie zuvor erfahren, ist der Dom der Nachfolgebau der konstantinischen Nordkirche. Die Liebfrauenkirche ist folglich der Nachfolgebau der Südkirche. Zusammen bildeten sie eine der bedeutendsten Doppelkirchenanlage Europas. Fast 1000 Jahre hatte die römische Südkirche neben der Nordkirche im Zentrum der Stadt gestanden. Während des Mittelalters wurden noch einige Restaurierungsarbeiten und Umbauten an der Südkirche erfolgreich durchgeführt, als aber im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts ihre Baufälligkeit nicht mehr zu retten war musste sie abgerissen werden. 

Im Jahr 1235 wurde schließlich unter dem Trierer Erzbischof Theoderich von Wied mit dem Bau eines neuen Gotteshauses an gleicher Stelle begonnen. So stehen die 12 Pfeiler der Liebfrauenkirche auf den Fundamenten der antiken Südkirche.  Nach kleineren, finanziell bedingten Unterbrechungen konnte der Kirchenbau gegen 1260 fertiggestellt werden.

So erklärt sich auch das Phänomen, dass zwei Kirchen so dicht nebeneinander gebaut zu sehen sind.

 

(Abb.4) Modell d. Doppelkirchenanlage (© Museum am Dom)
(Abb.5) © Berthold Werner

Mit diesem Kirchenbau brachte der französische Architekt die Hochgotik nach Deutschland. Sie gilt als die älteste rein gotische Kirche Deutschlands und gleichauf als die Bedeutendste der seltenen gotischen Zentralbauten in deutschem Lande. 

Ihr Vierungsturm hatte lange Zeit noch einen spitzen Helm, der aber nach einem Sturmschaden im Jahr 1631 durch ein niedrigeres Dach (ähnlich dem Heutigen) ersetzt wurde.  Zu jener Zeit wurde sie baulich durch einen Durchgang mit dem Dom verbunden.

Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere im Jahr 1794 sollte die Liebfrauenkirche wie viele andere Trierer Kirchenbauten abgerissen oder gesprengt werden. Mit einem kleinem Trick gelang es den Trierern jedoch Napoleon von seinem Vorhaben abzuhalten. Hatte doch eigens ein französischer Architekt im 13. Jahrhundert beim Neubau des Kirchengebäudes die französische Hochgotik nach Trier und ins Reich gebracht.  Und so dürfe Napoleon diese Kirche gar als französisches Meisterwerk betrachten - und der Trick funktionierte, Napoleon verschonte tatsächlich den Kirchenbau. Allerdings haben die Franzosen auch nicht ganz auf eine Zerstörung verzichtet; an Stelle der Liebfrauenkirche wurde die an der Basilika gelegene Pfarrkirche St. Laurentius im Jahr 1803 gesprengt. Deren Funktion als Pfarrkirche wie auch ihren Weihnamen wurde an Liebfrauen übertragen. Durch diesen Umstand erhielt die Liebfrauenkirche ihren zweiten Weihnamen St. Laurentius. Im gleichen Jahr wurde die Liebfrauenkirche liturgisch und organisatorisch vom Dom getrennt und der Verbindungsdurchgang zum Dom zugemauert.

Bis zu dieser Trennung gehörte die Liebfrauenkirche dem Domstift an und wurde von den Mitgliedern des Domkapitels unter anderem zur Vorlesung kleinerer Messen und als Pfarr- und Grabkirche genutzt. In ihrer Funktion als Grabkirche wurde sie im Lauf der Jahrhunderte mit reichlichen Gräbern gefüllt und gar überladen, die aber größtenteils von den Franzosen ab 1794 wieder entfernt wurden.  Eine Reihe der bedeutendsten Gräber blieben der Kirche aber erhalten und sind heute noch zu besichtigen.  

Unter der preußischen Regierung fanden von 1859 bis 1890 umfangreiche Restaurierungen statt, um den mittelalterlichen Zustand wiederherzustellen. (Barocke Substanz wurde durch neugotische ersetzt)

Im 2. Weltkrieg wurde die Liebfrauenkirche 1944 durch Bomben und Luftmienen schwer beschädigt. Einem dieser Luftangriffe viel auch das Walmdach aus dem Jahr 1631 zum Opfer. Von 1945 – 1950 wurde das Dach erneuert und die restlichen Kriegsschäden beseitigt. Von 2008 bis 2011 wurde die Liebfrauenkirche erneut aufwendig restauriert.

(Abb.6) Kriegsbeschädigungen (© Stadtarchiv Trier)

Quellenangaben:

Die Liebfrauen-Basilika zu Trier - Kath. Pfarramt Liebfrauen - 1971

https://de.wikipedia.org/wiki/Liebfrauenkirche_(Trier)

 

Abb.1:  CC BY-SA 3.0  -  © LoKiLeCh - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Innenstadt3.jpg?uselang=de

Abb.2:  Das Heilige Trier - Egid Beitz - Dr. Benno Filser Verlag, 1927  (kleinere grafische Veränderungen)

Abb.3:  eigene Fotoaufnahme

Abb.4:  eigene Fotoaufnahme im Museum am Dom, 2019 / (© Museum am Dom)

Abb.5:  CC BY-SA 3.0  -  © Berthold Werner - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_BW_2011-09-10_15-12-30_stitch.jpg?uselang=de

Abb.6:  © Stadtarchiv Trier

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