Erzbischof Egbert (950 - 993)

Erzbischof von Trier

(Abb.1) Egbert empfängt seinen Codex aus den Händen von Mönchen des Klosters Reichenau

Im 10. Jahrhundert wurde das Trierer Stadtbild von römischen Ruinen, Klöster und Kirchen bestimmt. Otto der Große hatte als deutscher König und römisch-deutscher Kaiser das Sagen im Land. In Trier übernahmen die von ihm eingesetzten Erzbischöfe als Stadtherren die Macht. Erzbischof Heinrich I errichtete 958 am neu geschaffenen Markt im Zentrum der Stadt das Marktkreuz als Wahrzeichen des Marktrechtes für die Trierer Bürger. Auch mit dem Bau von St. Gangolf als Marktkirche wurde begonnen.

Egbert wurde um 950 als Sohn des holländischen Grafen Theoderich II und der Mutter Hildegard von Flandern geboren.

Bereits im Jahr 976 schaffte er es im Alter von 26 Jahren zum Kanzler des deutschen Königs Otto II.  Und schon ein Jahr später wurde er vom König auf den stark umworbenen Bischofstuhl von Trier berufen.

Im Jahr 981 zog Egbert zusammen mit Kaiser Otto II, an der Spitze von 70 gepanzerten Rittern nach Italien. Er nahm an den Friedensverhandlungen mit Venedig teil und blieb dort bis der König im Jahr 983 unerwartet starb. Bei den Neuwahlen unterstützte Egbert aber nicht wie erwartet des verstorbenen Königs Sohn Otto III sondern den Bayrischen Herzog Heinrich den Zänker.

(Abb.2) Trierer Marktkreuz
(Abb.2.2) Siegel des Bischofs

Nachdem Heinrichs Griff nach der Königskrone scheiterte, versöhnte sich Egbert im Jahr 985 wieder mit dem Ottonischem Hof und wurde zum Berater des Vormundes des noch unmündigen Otto III.

Wieder mit amtlichen Positionen ausgestattet, vermittelte er vornehmlich westliche Angelegenheiten des Reiches und trat ab 980 fast ausschließlich als spätottonischer Reichsbischof in Erscheinung.

In der Zeitepoche der Ottonischen Kaiser (936-1020) erlebte das deutsche Land wieder eine Blütezeit in Kunst und Kultur. Dass auch Trier dort weitaus mehr als mithalten konnte und in dieser Zeit zu einer Stätte feinsinniger Bildungs- und Kulturpflege wurde, verdankte es ihrem Erzbischof Egbert. Er begann die Renovierung des durch Normanneneinfall aus dem Jahr 882 stark gelittenen Trierer Doms und begann die Wiederherstellung der zerstörten Kirchen von St. Matthias, St. Marin und St. Paulin.

Er verzierte Altäre mit Goldarbeiten aus seinen eigenen Klosterwerkstätten wie die in St. Maximin und Mettlach, oder der eigens von ihm Errichteten nahe des Trierer Doms.

(Abb.3) Behälter des heiligen Nagels

Aus einem dieser Werkstätten stammt die kostbare Kapsel des heiligen Petrusstabes, die mit Figuren, Edelsteinen und Zellenemaile reichlich geschmückt im Domschatz zu Limburg liegt. Auch wurden die Fassungen und Halterungen des Trierer Domschatzes, der Behälter des heiligen Nagels (Abb. links) und der Andreas-Tragaltar (auch Egbert-Schrein genannt) in seinen Werkstätten gefertigt.

Inhalt des Andreas Tragaltar

Sandale vom Apolstel Andreas

Glieder der zur Fesselung des Heiligen Petrus benutzen Kette

Barthaare des Heiligen Petrus

ein Nagel vom Kreuz Christi

die Trinkschale der Heiligen Helena

Der Andreas Tragaltar gilt als eines der bedeutendsten Werke ottonischer Goldschmiedekunst. Daneben ließ Egbert wertvolle Bucheinbände für liturgische Handschriften herstellen. Darunter die Decke des Codex Epternacensis in Gotha und die des Codex Egberti in Trier.

(Abb.4) Andreas Tragaltar
(Abb.5) Andreas Tragaltar
(Abb.6) Andreas Tragaltar
(Abb.7) Andreas Tragaltar
(Abb.8) Codex Egberti, Jesus offenbart sich den vom wundersamen Fischzug zurückkehrenden Jüngern

Der Codex Egberti (Egbert-Kodex) zeichnet den Höhepunkt süddeutscher Buchmalerei des 10. Jahrhunderts aus und hat auf sie im ganzen Rheinland bedeutenden Einfluss genommen. Es ist der älteste, noch erhaltene neutestamentliche Bilderzyklus aus dem Leben Jesu Christi. Der Kodex selbst wurde nicht in Trier sondern von den Reichenauer Mönchen geschrieben und gewährt uns einen Einblick in die Arbeitweise der Mönche des 10. Jahrhunderts. Dass der Codex in Beziehung zu Erzbischof Egbert steht zeigt ein Bild in ihm, das Egbert selbst darstellt während ihm die Reichenauer Mönche ihr Werk überreichen.

(Abb.9) Codex Egberti, Geburt Christi, Verkündigung an die Hirten

Durch die Förderung der Emaille-Technik überflügelte Trier sogar die alte Kunstmetropole Reims. Egbert erhob Trier zum Mittelpunkt des künstlicheren und liturgischen Lebens. Aus Trier kamen die beste Goldschmiedearbeiten des gesamten Reiches.

Seine Neigung zur Kunst lenkte ihn aber nicht von seinen Aufgaben als Bischof ab. Lange Jahrzehnte hat er unter den Kaisern Otto II(als Kanzler) und Otto III auf politischer Bühne gestanden und mit sachlicher Nüchternheit die Interessen seiner Trierer Kirche vertreten. Als Bischof lebte er nur für seine Kirche. Er stattete Gotteshäuser und Klöster mit zahlreichen Gegenständen der Goldschmiedekunst und feingewebten Werken aus und richtete sein Augenmerk verstärkt auf die Wiederherstellung zerstörten klösterlicher Anlagen.

Egbert war ein Mensch mit großer Statur, der ein tadelloses Leben führte und für seine Mildtätigkeit unter den Armen gerühmt wird. Er starb im Dezember 993 im Alter von ungefähr 43 Jahren nach einer Messfeier in St. Eucharius (heute St. Matthias) und wurde in der von ihm errichteten Andreaskapelle an der Nordseite des Trierer Domes begraben.

Quellenangabe:

Abb.1: gemeinfreie Bilddatei* – Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Egbert_von_Trier.html

Abb.2: Eigene Fotoaufnahme

Abb.2.2: Eigene Fotoaufnahme - ©Bischöfliches Museum am Dom

Abb.3: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - ©Schatzkammer des Trierer Doms

(Alternative Bilddatei unter: Wikimedia Commons - © Kleon3 - https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas-Tragaltar#/media/File:2018_Trier,_Domschatzkammer,_Reliquiar_des_hl_Nagels_2.jpg)

Abb.4: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - ©Schatzkammer des Trierer Doms

(Alternative Bilddatei unter: Wikimedia Commons - © Kleon3 - https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas-Tragaltar#/media/File:2018_Trier,_Domschatzkammer,_Andreas-Tragaltar_03.jpg)

Abb.5: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - ©Schatzkammer des Trierer Doms

(Alternative Bilddatei unter: Wikimedia Commons - © Kleon3 - https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas-Tragaltar#/media/File:2018_Trier,_Domschatzkammer,_Andreas-Tragaltar_04.jpg)

Abb.6: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - ©Schatzkammer des Trierer Doms

(Alternative Bilddatei unter: Wikimedia Commons - © Kleon3 - https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas-Tragaltar#/media/File:2018_Trier,_Domschatzkammer,_Andreas-Tragaltar_04.jpg)

Abb.7: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - ©Schatzkammer des Trierer Doms

(Alternative Bilddatei: Wikimedia Commons - © Rabax63 - https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas-Tragaltar#/media/File:Andreas-Tragaltar2.jpg)

Abb.8: gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Egberti#/media/File:Codex_Egberti_fol._90r.jpg

Abb.9: Wikimedia Commons - © Palauenc05 - https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Egberti#/media/File:Egbert_codex.jpg


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