Friedrich Spee 1591 - 1635

Moraltheologe, Priester, Dichter und Bekämpfer des Hexenwahns

(Abb.1) Jacques Callot (1592-1635) der Dreißigjährigen Krieges

Der 30jährige Krieg hatte - von der Pest unterstützt - weite Teile Mitteleuropas entvölkert und verwüstet. Auch um Trier wurde erbittert gekämpft. Spanische Truppen kämpften gegen französische Truppen, die die wirtschaftlich ruinierte Stadt bislang besetzt hielten. Trier hatte im Jahr 1623 nur noch rund 5500 Einwohner und war wirtschaftlich bereits vollkommen ruiniert.

(Abb.2) Friedrich Spee beim Verfassen seiner Trutznachtigall im Trierer Jesuittenkolleg

Zu jener Zeit wurde Friedrich Spee  1591 in der Nähe von Düsseldorf geboren. Er trat 1610  im Alter von 19 Jahren,  gegen den Willen seiner Eltern in Trier dem Jesuittenorden bei. Als in Trier im Jahr 1612 die Pest ausbrach, wurden alle Novizen des Ordens nach Fulda verlegt. Nach 3jährigem Noviziat gelang Spee über Würzburg nach Mainz.  Hier schloss er 1623 sein Theologiestudium ab und empfing noch im gleichen Jahr die Priesterweihe im Mainzer Dom. Nach erfolgreichem Studienabschluss arbeitete er noch bis ins Jahr 1626 als Dozent an der Paderborner Jesuiten-Universität und war auch als Domprediger tätig.

Ab Herbst 1627 lehrte Friedrich Spee in Wesel und Köln. Er entwarf für die Seelsorge der Kölner frommen Frauen geistliche Texte, die später als  „Das Güldene Tugendbuch“  veröffentlicht wurden.

1628 wurde Friedrich Spee nach Peine versetzt um die protestantisch gewordene Gemeine für die katholische Kirche zurück zu gewinnen  (Rekatholisierung).  Doch eine freie Wahl sollte den Peiner Bürger nicht gewährt werden. - entweder sie kehrten zum katholischen Glauben zurück oder sie mussten die Stadt verlassen.  Und auch diese, wahrlich erpresserische Mitteilung musste Spee den Peinern Bürger verkünden. Man geht davon aus,  dass dies auch der Grund für den im Jahr 1629 erfolgten Überfall auf Spee war, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde.

Von seinen Verletzungen genesen nahm er nochmal eine Professur für Moraltheologie in Paderborn an,  erfuhr aber aus den eigenen Reihen starke Ablehnung und Widerspruch was 1631 zur Amtsenthebung führte.

Den krankhaften Hexenwahn hatte Spee bereits seit 1611/12 als Novize in Trier kennengelernt. Die Abtei St. Maximin ging hier mit äußerster Präzision vor.

Später begegnete ihm der gleiche Wahn in einer noch schlimmeren und noch widerlicheren Form im Frankenland. Friedrich musste den ganzen Wahnsinn der Kirche miterleben. Er betreute die als Hexerei angeklagten Frauen als Beichtvater. 

(Abb.3) Hexennacht, 1650
(Abb.4) Hexensabbat
(Abb.5) Hexenfolter, 1590
(Abb.6) Hexenanhörung

Er las und prüfte die Anklageschriften - er sprach mit der Angeklagten und dem Richter - hörte Angehörige und Zeugen an – bewertete alle Aussagen und kam schließlich zu der Erkenntnis, dass alle Verurteilten unschuldig seien.

Entgegen der damaligen Rechtsauffassung gab er als Erster zu bedenken, dass die Folter möglicherweise nicht der Wahrheitsfindung diene, sondern dass die verdächtigen Frauen unter dem enormen Schmerzen der Folter gestehen würden obwohl sie unschuldig seien.

Ein Zitat von Spee bezeichnet vielsagend die Situation:

Unter dem Eide gebe ich die Erklärung ab,

dass ich bis jetzt keine Hexe zum Holzstoß führte,

von der ich nach reiflicher Überlegung vernünftigerweise hätte behaupten können,

sie sei schuldig gewesen.

Auch eine Tante von Spee wurde 1631 als Hexenkönigin von Bruchhausen hingerichtet.

Das war für ihn zu viel um weiter untätig zu bleiben. Er musste handeln, auch wenn es gefährlich war, denn ein falsches Wort, eine falsche Bemerkung und er könnte selbst auf dem Scheiterhaufen enden.

Und so veröffentlichte er anonym im Jahr 1631 seine Mahnschrift  Cautio Criminalis.

In seiner leidenschaftlichen Kampfschrift prangert er die damaligen Hexenprozesse, Folter, sowie die unter Folter erlangten Geständnisse an. Unverblümt und mit voller Wucht seiner Argumente  verurteile die Cautio criminalis die Vorgehensweise der Kirche während des Hexenwahns. Es war die erste Schrift, die im katholischen Bereich Einwendungen gegen die Folter und Hexenglauben vortrug.

Spees Autorenschaft an der gefährlichen Schrift konnte nicht lange verborgen bleiben und flog im Jahr 1632 auf.  Der Orden legte ihm den Austritt aus der Gemeinde nahe zwang ihn aber nicht dazu. So blieb Spee weiter im Orden - mehr oder weniger geduldet. In Köln (wohin er wegen des Krieges hatte fliehen müssen) wurde die Lage für ihn so bedrohlich, dass er wieder nach Trier versetzt wurde.

(Abb.7) Die Trutznachtigall

Im Herbst 1633 erreichte er nun zum zweiten Mal Trier. Hier dozierte Friedrich über christliche Moral und fertigte seine kunstvolle Sammlung lyrischer Lieder und Gedichte an

 die Trutznachtigall 

Postum 1649 in Köln erschienen

 

Im Rahmen des 30jährigen Krieges wurde Trier mittlerweile wieder durch französische Truppen eingenommen. 1635 eilten kaiserliche Truppen nach Trier und lieferten sich mit den Franzosen erbitterte Kämpfe.  Plötzlich trat in den französischen Reihen erneut die Pest aus.  Spee versorgte verwundeten und pestkranken Soldaten beider Seiten und steckt sich selbst mit der tödlichen Krankheit an. Friedrich Spee erlag der Krankheit noch im gleichen Jahre 1635 und er wurde nur 44 Jahren alt.

(Abb.8) Cautio Criminalis, 1631

Als in Trier endlich wieder Ruhe eintrat, und der Lehrbetrieb erneut stattfinden konnte war Friedrich Spee schon einige Monate tot.

Sein Leichnam wurde in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar begraben.  (erst 1980 wurde sein Grab im Rahmen archeologischer Untersuchungen gefunden).

Mit seiner Cautio Criminalis  trug er entscheidend zum Ende des Hexenwahns in Deutschland bei. Friedrich Spee wurde aber nicht nur durch dieses Werk berühmt, sondern auch als Verfasser von Kirchenlieder und Gedichte, die teils bis heute gesungen werden. (Oh Heiland, reiß die Himmel auf / Bei stiller Nacht / Ist das der Leib).

Friedrich Spee wurde aber nicht nur durch dieses Werk berühmt, sondern auch als Verfasser von Kirchenlieder und Gedichte, die teils bis heute gesungen werden. (Oh Heiland, reiß die Himmel auf / Bei stiller Nacht / Ist das der Leib)

Als seine bekanntesten Gedichte zählen die der in Trier fertiggestellten Sammlung der „Trutznachtigall“.

 

Oh Gott ich sing von Herzen rein, gelobet muss der Schöpfer sein

(Abb.9) Sarg des Friedrich Spee (Jesuitenkirche Trier)
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Quellenangabe:

Abb.1:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg#/media/File:The_Hanging_by_Jacques_Callot.jpg

Abb.2:  gemeinfreie Bilddatei* - Ökumenisches Heiligenlexikon - https://www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Friedrich_Spee.html

Abb.3:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Witch-scene2.JPG?uselang=de

Abb.4: gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hexensabbat.jpg

Abb.5: gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Folter_von_Hexen.jpeg

Abb.6: gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Witchcraft_at_Salem_Village.jpg?uselang=de

Abb.7:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Spee#/media/File:Trutz_Nachtigal_1649.jpg

Abb.8:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Spee#/media/File:Cautio_criminalis_1631.jpg

Abb.9: © Stefan Kühn - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jesuitenkirche_Trier_05.jpg

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