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Caspar Olevian (1536 - 1587)

Einer der bedeutendsten Reformatoren Deutschlands. Ein Kämpfer für die Rechte der evangelischen Gemeinde in einem katholischen Trier.

(Abb.1) 30jähriger Caspar Olevian, 1566

Von Kriegen und Hungersnöten, Krankheiten und Katastrophen gezeichnet, hatte Trier um das Jahr 1536 nur noch an die  6000 Einwohner.

Das Christentum war nach Luthers Thesen in eine reformiert-evangelische und eine katholische Glaubensrichtung gespalten.  In Trier versuchten die Reformierten seit Jahren händeringend, die katholische Stadt zu einer unabhängigen Reichstadt zu machen, um so ihre Religion frei bestimmen zu dürfen.

In diese Zeit hinein wurde im Jahr 1536 der Bäckersohn Caspar Olevian in der Grabenstrasse, im heute noch erhaltenen Haus Wittlich geboren. Seine Familie stammte aus dem Trierer Vorort Olewig ab, woher sich sein Name Olevian ableitet.

(Abb.2) Geburtshaus Caspar Olevians - Grabenstraße am Pranger
(Abb.3) Kanzelstein aus seinem Geburtshaus (eingeritzt sein Name)
(Abb.4) Gedenktafel am Geburtshaus

Schon mit 13 Jahren verließ er seine Heimatstadt um in Frankreich seine Schulausbildung abzuschließen und Jura zu studieren.

Während des Studiums lernte er einige französische Protestanten (Hugenotten) kennen und freundete sich mit den Ideen des Protestantismus an.  Ihr Glaube war stark von den Lehren Johannes Calvins (Calvinismus) beeinflusst, die Caspar nun ständig auf seinem Weg begleiten werden und ihn fortan mit den Lutheranern streiten lassen.  1556 wurde Caspar erst 21jährig in Bourges Zeuge eines Bootunglücks, sprang tapfer ins Wasser und versuchte so viele Ertrinkenden zu retten wie möglich. Von den gewaltigen Wassermassen selbst in höchste Gefahr geraten, kämpfte Caspar nun um sein eigenes Überleben. In beängstigender Lage gelobte er, dass er von nun an sein ganzes Leben der Ausbreitung der evangelischen Lehre widmen würde sollte er dies hier überleben.  Wieder genesen und voller Tatendrang fasste er nun den Entschluss, in seiner Vaterstadt Trier das Evangelium nach der evangelischen Lehre zu verkünden.

Nun war Trier aber keine freie Reichsstadt in der die Bürger ihre Religion frei wählen durften. In Trier bestimmte der kurfürstliche Landesherr, also der katholische Erzbischof die Religionsangehörigkeit seiner Einwohner.

Caspar Olevian war aber kein Katholik, er war ein Reformator also eigentlich ein Rebell.

Und da, wie oben erwähnt nur unter evangelischen Landesfürsten und in freien Reichsstätten Religionsfreiheit zugestanden wurde, strebten die Trierer Protestanten nach dem Status der Reichsunmittelbarkeit.

Caspar Olevian trieb sein Vorhaben weiter voran. Im Juni 1557 traf er sich mit dem Bürgermeister und anderen evangelisch gesinnter Bürger und planten die Durchführung der Reformation in Trier. Aber irgendetwas fehlte der kleinen evangelischen Gemeinde in Trier. Zwar standen sie  im Kontakt zu Calvin, wurden also immer auf dem Laufenden gehalten, hatten aber keine geschulten und vor allem begeisternden Prediger der die Aufmerksamkeit der Massen und neue Anhänger gewinnen konnten. Dieses Problem hat Caspar Olevian schnell erkannt. Er reiste, unter Verzicht seiner juristischen Karriere zu Johan Calvin nach Genf, lernte dort von ihm das Predigen und studierte Theologie.

Zwischenzeitig ist unter der katholischen Kirche die kleine evangelische Gemeinde, zu der auch, wie schon erwähnt der Bürgermeister J. Steuß und eine Fraktion des Trierer Stadtrats zählte nicht unbemerkt geblieben.

(Abb.5) Johannes Calvin

Es bahnte sich ein Konflikt an.  Als Caspar Olevian im Jahr 1559 nach Trier zurückkehrte, startete er gleich in Absprache mit dem Bürgermeister seinen als Lehrauftrag getarnten Reformationsversuch. 

(Abb.6) Caspar Olevian, Kupferstich, 1602

Der Stadtrat gestattete ihm in der Kirche des Bürgerspitals St. Jakob in der Fleischstrasse zu predigen. Von Calvin geprägt, predigte er in einer solch mitreißenden Weise,  dass bereits nach kürzester Zeit die Trierer Bürger zu Hunderten heraneilten. Alle wollten den Mann sehen, der gerade erst 23jährig öffentlich die Bürgerschaft gegen die katholische Kirche aufwiegelte. Durch seine Predigten wuchs die Zahl der evangelisch gesinnten in wenigen Wochen auf etwa 600 Bürger  (Trier hatte zu dieser Zeit nur ca. 6000 Einwohner).

Der Erzbischof und Kurfürst von Trier sah mit Unmut das erfolgreiche Vorgehen Caspar Olevians. Er befürchtete gar, dass der ganze Kurstaat Protestantisch werden könnte und sah sich gezwungen hart durchzugreifen. So nahm er dem Volk die Entscheidung und befahl den katholischen Glauben in Trier.

Anfangs verbot er Caspar Olevian zwar nur das Predigen an städtischen Räumen, weitete es später aber auf das komplette Trier Gebiet aus. Caspar ließ sich aber nichts verbieten und predigte selbst nach mehrmaligen Unterlassungs-Aufforderungen unermüdlich weiter.  Als alle erzbischöflichen Verbote erfolglos blieben, zog der in Koblenz sitzende Kurfürst mit großem Gefolge nach Trier.  Er bezog seine Burg in Pfalzel und forderte die Verhaftung und Herausgabe aller evangelischen Führer inklusive Caspar Olevians.

(Abb.7) Trierer Kurfürst Johann von der Leyen

Anfangs verweigerte der Trierer Stadtrat den Befehl des Kurfürsten. Dieser handelte sofort und ließ die Stadt durch seine kurfürstlichen Truppen belagern. Um das drohende Gefecht und dem Verlust an Menschenleben zu vermeiden mussten sich die Stadträte letztlich beugen und stellten Caspar Olevian samt Bürgermeister mit Gefolge unter Arrest. Caspar drohte die Todesstrafe, die aber nach 10-wöchiger Haft und durch Geldzahlungen fallen gelassen wurde.

Im Folgenden wurden in Trier alle Bürger ausgewiesen, die nicht zur katholischem Konfession zurück kehren wollten. Auch Caspar Olevian samt Anhänger mussten Trier verlassen. Der Reformationsversuch war damit war in Trier gescheitert. Nach Caspars Ausweisung berief ihn sein Gönner, der calvinistisch gesinnte Kurfürst Friedrich von der Pfalz auf seinen Hof nach Heidelberg.

(Abb.8) Heidelberger Katechismus

Hier gründete er eine Familie, unterrichtete am Predigerseminar, verwaltete verschieden Pfarreien und war als wichtiger Berater des Kurfürsten tätig. Zudem war er an der Schlussfassung des Heidelberger Katechismus beteiligt.

Aber auch hier schuf sich der starrsinnige Charakter bald Feinde. Es gab nämlich auch innerhalb der protestantischen Kirche zwei konkurrierende Bewegungen. Auf der einen Seite die lutherische, auf der anderen Seite die reformiert calvinistische Bewegung. Der reformierte Caspar Olevian trat den Lutheraner mit Schärfe entgegen. Nachdem aber sein Freund und Kurfürst Friedrich 1576 starb, übernahm dessen Sohn das Amt. Er war aber Lutheraner und duldete Caspar Olevians calvistische Haltung nicht. Caspar musste Heidelberg verlassen und gelang nach Berleburg zum Grafen von Wittgenstein.  

1584 erhält Caspar Olevian an der neugegründeten reformierten Hochschule zu Herborn eine Berufung zum Professor.

(Abb.9) Kurfürst Friedrich von der Pfalz
(Abb.10) Gedenktafel am Kurfürstlichen Palais

Im Jahr 1587 starb Caspar Olevian an den Verletzungen eines Unfalls, die er zuvor bei einem Sturz auf einem vereisten Weg erlitt.

Am 18. März 1587 wurde Caspar Olevian in der Evangelischen Stadtkirche Herborn beigesetzt. Seine Heimatstadt Trier hat er nie wieder betreten. 

Im evangelischen Namenskalender gedenkt man seiner am 15. März.

(Abb.11) Evangelische Stadtkirche Herborn

Quellenangabe:

Abb.1:  © Stadtarchiv Trier

Abb.2,4,10:  eigene Fotoaufnahme, 2019

Abb.3:  © Rheinisches Landesmuseum Trier

Abb.5:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:John_Calvin_21.jpg

Abb.6:  eigene Fotoaufnahme - Simeonstift Museum Trier, 19.05.2019

Abb.7:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_VI._von_der_Leyen#/media/File:Johann_von_der_Leyen.jpg

Abb.8:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Katechismus#/media/File:Heidelberger_Katechismus_1563.jpg

Abb.9:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(Pfalz)#/media/File:Friedrich_der_Fromme.jpg

Abb.11:  Wikimedia Commons - © Oliver Abels        https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Stadtkirche_Herborn#/media/File:Herborn_-_Stadtkirche.jpg

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