Bischof Nicetius (ca. 490 - 566)

Bischof von Trier und einer der führenden Bischöfe des 6. Jahrhunderts

Zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert wurden die Zeiten im Trierer Land unruhiger. Während der Völkerwanderung drängten unaufhaltsam Germanenstämme von Norden herkommend ins Reich ein. Auf der rechtsrheinischen Seite bedrohten die Hunnen und die vor ihnen fliehenden Vandalen die noch sichere Westgrenze. Diese gefährliche Situation machte den Kaisersitzt in Trier zu unsicher und der römische Kaiserhof samt Verwaltung floh nach Mailand. Unter Kaiser Valentinian II war Trier letztmalig im Zeitraum von 388-392 Kaiserresidenz. Um die Jahre 400 erlebt das römische Reich die erste Untergangsstimmung. Vandalen und Hunnen überrennen die Westgrenze und fallen in Gallien ein. Im Jahr 407 erreichten und stürmten die Alemannen Trier. Die mittlerweile arg geschrumpfte Bevölkerung war nicht mehr in der Lage die Stadt mit Ihren Stadtmauern zu verteidigen und flohen ins Amphitheater und verschanzten sich erfolgreich mit der Igelstrategie. Alleine von 410 bis 430 wurde Trier viermal von Franken und Alemannen erobert und geplündert. Jeweils konnten die Römer die Stadt zurückerobern. Im Jahr 451 wurde Trier von den Hunnen eingenommen, konnte aber wieder von den Römern befreit werden. Als im Jahr 455 die Franken erneut in Trier einfallen, zerfällt die städtische Struktur. Augusta Treverorum lag in Schutt und Asche. 

Nachdem im Jahre 476 der letzte Römische Kaiser, Romulus abgesetzt wurde, wurden die Merowinger zu den Herren des Trierer Landes und Trier wurde um 490 in das Merowingerreich einbezogen.

(Abb.1) Egbert-Psalter, Nicetius als heiliger Bischof von Trier

Ungefähr zu jener Zeit wurde Nicetius in der Nähe von Reims geboren und bereits in früher Kindheit von seinen Eltern zur weiteren klerikalen Ausbildung dem Abt eines Klosters übergeben. Nach dem Tod des Abtes übernahm Nicetius dessen Amt. Das ungefähr 200 km entfernte Trier zeigte noch immer das Bild einer zerstörten und entvölkerten Stadt. Ruinen, bettelnde Menschen, Hungersnöte, Missernten und ganz besonders in sittlicher Beziehung bot die Stadt und das ganze Umland einen Abgrund auf.  Und da sich selbst in Trier kaum noch Priester aufhielten (alle großen kirchlichen Niederlassungen und Kathedrale waren bereits zerstört) sandte der fränkische König Theoderich Priester nach Trier um das kirchliche Geschehen wiederaufzunehmen. Der ausgezeichnete Ruf des damaligen Abtes Nicetius drang schon bald zu den Ohren des Königs Theoderich hervor.  Dessen unerschrockener Art und Weise, wie er sich für das Recht anderer einsetzte hatte dem König imponiert. Und auch als Nicetius dem König schonungslos dessen Fehler und Fehlverhalten vorhielt, ihm ins Gewissen redete und sogar zur Buße aufforderte schenkte er ihm der König seine Gunst. So wurde Nicetius schließlich zum Vertrauten König Theuderichs.  

 

Als im Jahre 527 der Bischof von Trier starb, wählten Klerus und Volk auf Wunsch des Königs Theoderich den Abt Nicetius zu dessen Nachfolger, obwohl die Trierer einen Kleriker bevorzugten. Der König ließ den Neugewählten durch eine glänzende Gesandtschaft nach Trier geleiten.  Nahe der Stadt, Höhe des heutigen Trierweiler, musste der Zug Rast machen und übernachten. Die fränkischen Hofleute trieben ihre Pferde auf die anliegenden Saatfelder um sie zu füttern. Dabei zertrampelten und zerstörten sie die Saat der verarmten Bevölkerung.

Kaum diesen Frevel erkannt, griff Nicetius sofort ein und mahnte um Rücksicht und drohte den mächtigen Königsfreunden und fränkischen Größen mit dem Kirchenbann.  Als dies nicht half, sprang der große und kräftige Nicetius vom Pferd, zwang  mit seinen Fäusten die Rosse mitsamt ihren Reitern aus den Saat-Fluren und sprach

Gottes Wille geschehe, aber des Königs Wille wird nicht in allem Schlechten geschehen, so lange ich mich dem zu widersetzen vermag“.

Mit Bewunderung und Freude nahm das Volk ihren neuen Bischof auf, der ein so warmes Herz für die leibliche Not seiner Untergebenen gezeigt hat. Aber auch den Franken hat dieser unerschrockene Kraftakte und das Durchsetzungsvermögen gegen vermeintliche Überzahl dermaßen imponiert, dass sie dem neuen Bischof bis in die Stadt folgten. Zwischenzeitig starb der ihm wohlgesonnene König Theoderich und sein Nachfolger kam nach Trier.

Nachdem Nicetius nun sein neues Amt angetreten hatte, war seine erste Sorge die noch in Trümmern liegenden Gotteshäuser und Klosterstiftungen wiederherzustellen. Dazu ließ er kundige Handwerker aus Italien kommen, welche zunächst den Quadratbau der zerstörten bischöflichen Kathedrale (Dom) wiederaufbauten.

Die Bautätigkeiten des Nicetius waren nur ein Teil der von ihm durchgeführten Erneuerung des Bistums, die zu einem Wiederstarken der Trierer Kirche führte. Neben den steinernen Tempel stellte Nicetius auch das kirchliche Leben wieder her. Ebenso schütze er die Bevölkerung vor Übergriffen des Adels. Seine sittliche Größe, die keine Furcht vor Königsthronen kannte, zeigte er auch unter den nachfolgenden fränkischen Königen Theudebert und Chlothar I. Öffentlich und mit allem Freimut forderte er die Beiden des Öfteren auf, ihr sittenloses Leben und gesetzwidriges Handeln aufzugeben.

So soll folgendes geschehen sein: In Begleitung des Merowinger Königs Theudebert befanden sich mehrere Höflinge, die der Bischof bereits wegen ihrer Verbrechen und unsittlichem Verhalten aus der Kirchengemeinschaft verbannt hatte. Dennoch kamen sie zur Messe und trotzten Nicetius. Was wolle er schon tun, wo sie doch alle mit dem König hier seien.  Als aber die Opfergaben zum Altar gebracht wurden, stand Nicetius auf, trat vor die Massen und sprach: „Heute wird hier die Feier der heiligen Messe nicht vollzogen, wenn nicht die exkommunizierten sich vorher entfernen“. Die Stimmung in der Kirche drohte zu kippen, legte sich doch Nicetius mit den Allermächtigsten an.

Aber er blieb unerschrocken Standhaft bis jene das Kirchengebäude verließen und die Türe hinter sich geschlossen hatten. Erst jetzt setzte Nicetius unter Gesang die Messe fort. Als er ähnliches aber auch bei dem neuen König Chlothar versuchte, verbannte dieser ihn im Jahr 560 aus Trier. Nicetius durfte aber bereits 1 Jahr später, nach Clothars Tod in seine Bischofsstadt zurückgerufen.

(Abb.2)

Nicetius war kein Frankengegner, er lehnte sich nicht gezielt gegen die fränkischen Größen auf, vielmehr war es ein Kampf gegen den sittlichen Niedergang des Landes und das unwürdige Leben der Bevölkerung. Selbst der byzantinischer Kaiser Justinian erhielt vom Trierer Bischof einen scharfen Tadel wegen seiner unkirchlichen Haltung. 

Er achtete und wachte über die Lauterkeit seiner geistlichen Brüder. Er forderte und lenkte die Denkweise seiner Kleriker damit sie wieder das richtige Gefühl für Würde und Gerechtigkeit entwickeln konnten. Und er stellte sich dem sittlichen Verfall im ganzen Lande entschlossen entgegen.

Er versuchte durch Briefe an die Langobarden-Königin, deren Gemahl für die katholische Lehre zu gewinnen und trieb auch die Christianisierung der Landbevölkerung in Zusammenarbeit mit den Grundherrschaften voran.

Als Nicetius im Jahr 566 in seinem geliebten Trier starb, hat er bereits großes für sein Land erreicht. Er baute eine zerstörte und entvölkerte Stadt, die in Schutt und Asche lag, samt Gotteshäuser wieder auf (u.a. Dom, St. Maximin, Nicetius Burg und St. Medard). 

Kleriker und Kaufleute folgten Nicetius Ruf und zogen wieder nach Trier. Es fand wieder Handel statt und Hungersnöte und Missernten konnten reduziert werden. 

Ihm ist es zu verdanken, dass die in Schutt und Asche versunkene Stadt Trier sich wieder zur Bedeutung erhob. Ihm verdankt die Trierer Kirche, dass sie ihre in Römerzeiten errungene Vorrangstellung über die fränkische Periode hinaus retten konnte.

Legende

Als im Jahre 560 kurz vor seiner Verbannung eine pestartige Krankheit in Trier ausbrach, betete er unaufhörlich um Barmherzigkeit für sein Volk.  Da hörte man eines Tages oberhalb der Moselbrücke einen donnerähnlichen Lärm, welcher die ganze Stadt aufschreckte. Aus dem Getöne vernahm man deutlich eine mächtig hervortönende Stimme, die rief:

Was wollen wir weiter hier anfangen, Gesellen?  An dem einen Tor wachte der Priester Eucharius, an dem anderen Maximinus, in der Mitte Nicetius; wir können fortan nichts mehr ausrichte und müssen diese Stadt ihrem Schutz überlassen.

Quellenangabe:

Abb.1,2: gemeinfreie Bilddatei* –Wikimedia Commons - Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nicetius#/media/File:Egbert-Psalter,_fol._99r.jpg   (Abb.2 Änderung: Zuschnitt + Freistellung)

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