Ludwig Simon (auch Ludwig von Trier genannt) 1819 - 1872

Revolutionär und Freiheitskämpfer gegen das preußisches Regime

Wie auch Karl Marx lebte Ludwig von Simon unter der Zensur des preußischen Staatsapparates. Er lebte in einem Trier, das von Armut, Hungersnöten und Elend geplagt war. Nachdem Napoleon 1814 nach Elba verbannt wurde, haben preußische Truppen die Franzosen wieder aus Trier vertrieben und das Land besetzt.

Vom französischen Hinterland abgeschnitten versank Trier zunehmend im sozialen Elend. Die moselländischen Bauern litten unter großen Hungersnöten und Krankheiten. Trier selbst hatte nur noch ca. 9000 Einwohner. Und wie schon beim Artikel über Karl Marx erwähnt brodelte es in Deutschland und den Nachbarländern. Der Schrei nach Freiheit, Einigkeit und Demokratie war allseits hörbar.

Ludwig Simon, auch Ludwig von Trier genannt, wurde 1819 in Saarlouis geboren, siedelte aber schon 1822 mit seinen Eltern nach Trier über. Als er im Jahr 1836 in Trier sein Abitur machte, zählte kein geringerer als Karl Marx zu seinen Mitschülern. Er war seit seiner Schulzeit überzeugter Verfechter der nationalen Einigung Deutschlands auf Grundlage eines parlamentarisch organisierten Staatswesens, also genau entgegen der geltenden preußischen Vorstellung.

Dennoch oder gerade deswegen trat Ludwig im Jahr 1839 in den preußischen Staatsdienst ein, begann eine praktische juristische Ausbildung und beendet diese 1840 als Rechtsanwalt in Trier.  Von1845 bis 1846 vollrichtete er als Leutnant seinen Militärdienst in der preußischen Armee.

(Abb.1) Ludwig Simon (Simeonstift Museum, Trier)
(Abb.2) Trierer Hauptmarkt um 1880 (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.3) Trierer Hauptmarkt um 1870 (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.4) Preußische Polizei Trier (© Stadtarchiv Trier)

Aber Ludwig war bereit sich im Kampf für Demokratie und sozialer Gerechtigkeit gegen die Preußen und Fürsten zu stellen. Er war ein Revolutionär und Freiheitskämpfer, und als im Frühjahr 1848 die Revolutionskunde aus den Nachbarländern von sich reden machte, gingen auch in Deutschland die Menschen auf die Barrikaden. 

Auch in Trier wurde die Revolution von den Bürgern mit Freude begrüßt. Es wurden Straßenbarrikaden gestellt und Königsbüsten auf dem Hauptmarkt zerstört. Alles wurde getan um sich gegen die soziale Notlage und der preußischen Herrschaftsdiktatur zu wehren. Mit gerade erst 28 Jahren stand Ludwig 1848 schon an die Spitze der republikanischen Bewegung Triers. Er forderte vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV die Gewährung allgemeiner und direkter Wahlen. Weitere politische Anträge und Gesuche folgten.  Dann schrieb er als Redakteur der neuen Deutschen Zeitung politische Beiträge in seiner fesselnden  und mitreißenden Manier.

Die im Südwesten Deutschlands begonnene Revolution erreichte Berlin im März. Wütende Bürger forderten soziale Verbesserungen und eine demokratische Verfassung.

(Abb.5) Barrikaden in Frankfurt, 1848
(Abb.6) Alexanderplatz Berlin 1848
(Abb.8) Barrikaden in der Friedrichsstrasse Berlin

Zunächst ließ der bedrängte Friedrich Wilhelm IV auf die Aufständigen schießen, beugte sich dann aber dann den wütenden Massen und zog sich fluchtartig aus Berlin zurück. Neben der preußischen Regierung gaben auch die Fürsten und Landesherren des Deutschen Bundes klein bei und machten ihrem Untergebenen zahlreiche soziale Zugeständnisse.

Mit dem Rückzug der Fürsten schien die Revolution ein Erfolg zu werden. Voller Tatendrang und dem Ziel Ihrer Wünsche vor Augen beriefen die deutschen Bürger eine erste demokratische Nationalversammlung in Frankfurt aus.

Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte trafen sich frei gewählte Volksvertreter aus ganz Deutschland zur ersten Nationalversammlung. Ludwig erlangte durch Wahl der Trierer Bürger ein Mandant für seinen Wahlbezirk.

Während der Nationalversammlung zählte Ludwig zu den führenden Köpfen. In den parlamentarischen Debatten profilierte er sich mittels seiner ebenso mitreisenden wie sprachlich präzisen Rhetorik als unumstrittener Wortführer der Demokraten.

Es bahnten sich die ersten Wahlen zu einem deutschen Nationalparlament an. Als aber im gleichen Jahr die preußischen Truppen stark bewaffnet zur Niederschlagung der Bürgerbewegung vorrückten, rief Ludwig zur kompromisslosen Verteidigung der erst kürzlich erkämpften Errungenschaften gegen das preußische Regime und der Fürsten auf.

(Abb.7) Jubelnde Revolutionäre in Berlin
(Abb.9) Kaiser Wilhelm IV beugt sich den Revolutionären
(Abb.10) Frankfurter Nationversammlung in der Pauluskirche

Für weiteres Aufsehen sorgte Ludwigs aktive Teilnahme am Frankfurter Aufstand im September 1848  – der ebenfalls niedergeschlagen wurde. 

Im Oktober 1848 nahm er zwar noch mutig an der 2. Versammlung in Berlin teil, doch die demokratische Sache war bereits verloren. Die militärische Macht der preußischen Truppen war zu stark geworden.

Die letzten Revolutionsheere kämpften 1849 beim badischem Aufstand gegen die preußische Übermacht. Auch hier focht Ludwig und stürzte sich entschlossen in den Abwehrkampf. Auch die Revolutionäre Marx und Engels eilten herbei um mit den verbliebenen Kräften für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.  Doch die auf  600 Mann geschrumpften Freiheitskämpfer befanden sich bereits zu sehr in Bedrängnis. In einer verbitterten Schlacht unterlagen sie nun endgültig den bestens bewaffneten Pickelhauben.  Die Preußen hatten den Aufstand blutig niedergeschlagen.

(Abb.11) Kapitulation der Aufständigen

Nachdem die Revolution nun endgültig gescheitert war, drohte Ludwig Simon der Kerker. 

Um sich seiner Verhaftung zu entziehen, flüchtete er im Jahr 1849 in die Schweiz.

Als die Preußen ihn nicht zu fassen bekamen, wurde er noch im Jahre 1851 in Trier wegen Hochverrats zu Tode verurteilt.

Eine symbolische Hinrichtung wurde 1852 am Trierer Schandpfahl/Pranger in der Grabenstrasse vollstreckt. Dabei wurde  Simons Name und der Urteilstext vom Henker an den Pfahl genagelt.

Abb.12 - Pranger

In der Schweiz lernte er seine zukünftige Frau kennen. Hier konnte er mit ihr ein paar ruhigeres Jahre verbringen bis er 1853 auf preußisches Treiben von den Schweizern ausgewiesen wurde.

Über Umwege kam Ludwig gegen 1855 nach Paris. Dort trat er in die Dienste eines Bankiers und blieb dort über mehrere Jahre sesshaft. Auf preußischem Boden galt er allerdings noch als Staatsfeind und Trier zu bereisen wäre für ihn fatal. Er versuchte es mit einem Gnadengesuch der aber abgelehnt wurde. Er wiederholte es, aber nachdem die preußische Regierung alle seiner Gnadengesuche abschmettert hatte, blieb er in Paris und gründete 1866 sein eigenes gutgehendes Bankhaus.  Auch dieser scheinbar glückliche Zeitabschnitt sollte ihm nicht lange gewährt bleiben. Schon 1870 zog Deutschland gegen Frankreich in den Krieg.  Er verkaufte die Bank und floh mit seiner Schweizerin zurück in das sichere Bergenland.

Im Jahr 1870, als Ludwig gerade 51 Jahre alt wurde, heiratete er seine geliebte Frau. Ludwig Simon starb bereits  2 Jahre später in der Schweiz ohne sein Trier je wieder gesehen zu haben.

(Abb.13) Hier in Montreux-Schweiz lebte Ludwig bis zu seinem Tod (Foto ca. 1880)

Am 02.02.1872 schrieb er an Karl Vogt (Freund und Demokrat):

"Ich spüre noch nicht so viel Bismarcksche Fäulnis in mir, dass ich schweigen möchte zu allem, was vorgeht. Haben wir für die Freiheit und Einheit gestritten unser Leben lang, und haben sie Einheit ohne die Freiheit gemacht da wollen wir ihnen so lange in die Ohren schreien um die Freiheit, bis sie endlich hören oder Ihnen das Trommelfell zerspringt. Hoffentlich kommen andere und helfen uns schreien bevor wir heiser geworden sind".

(Abb.14) Preußische Pickelhaube
(Abb.15) Ludwig Simon

Quellenangabe:

Abb.1: eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - Original im Stadtmuseum Simeonstift, Trier

(Alternative Bilddatei: gemeinfreie* Bilddatei - Quelle: Stadtbibliothek Trier  und  http://www.tripota.uni-trier.de/single_picture.php?signatur=121_trierP_0271)

Abb.2,3,4:  Stadtarchiv Trier

Abb.5: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankfurt_am_Main_Barrikade_1848.jpg?uselang=de

Abb.6: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alexanderplatz_Berlin_1848.jpg

Abb.7: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maerz1848_berlin.jpg -Quelle: Deutsch: im Original Kreidelithographie, aus Buch? gescannt von User:APPER

Abb.8: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paulskirche_Frankfurt_am_Main_1848-1849.jpg

Abb.9: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Friedrich_Wilhelm_IV_1848.jpg

Abb.10: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankfurt_Nationalversammlung_1848.jpg

Abb.11: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rastatt_Kapitulation_Juli_1849.jpg

Abb.12: eigene Fotoaufnahme

Abb.13: alte Postkarte von P. Simon - grafisch überarbeitet

Abb.14: Von G.Garitan - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0  -  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Prusse_inf_de_la_Garde_1860_4012.jpg

Abb.15: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Simon_von_Trier.JPG

 

* Dieses Bild ist gemeinfrei, denn
• das Werk wurde von seinem Rechteinhaber durch Verzicht auf das Urheberrecht als Public Domain nach amerikanischem Recht freigegeben, oder
• das Werk wurde unter einem solchen Nutzungsrecht zur Verfügung gestellt, dass es von jedermann frei benutzbar und veränderbar ist (§ 31 Abs. 1 UrhG), oder
• die Urheberrechtsschutzdauer ist abgelaufen, weil mindestens 70 Jahre - bei Fotos: 50 Jahre - seit dem Tod des Urhebers vergangen sind, oder
• eine Anwendung des Copyright kommt nicht in Frage, da eine bloße technische Reproduktion einer gemeinfreien Vorlage vorliegt oder das Werk über keine eigene Schöpfungshöhe verfügt

Weitere ausführliche Informationen gibt es in den Wikipedia-Artikeln Gemeinfreiheit und "Bildrechte".

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