Kaiserin Helena

ca. 250 - 330

Es gibt in ganz Deutschland nur wenige historische Personen um die sich so viele Legenden ranken wie um die heilige Helena aus Trier.  Ihr genaues Geburtsdatum ist uns heute nicht mehr bekannt. Man geht davon aus, dass Flavia Julia Helena (so Ihr gebürtiger Name) um das Jahr 250  in Bithynien am Bosporus geboren wurde. Ihr Name bedeutet „die Leuchtende“. Sie gilt als eine der bedeutendsten Frauen der spätantiken Weltgeschichte und wurde zur Schlüsselfigur der Verbreitung des  Christentums.

Seit Kaiser Augustus Trier im Jahr 18 v. Chr. von einer Kolonie (colonia Trevirorum)  zur Stadt mit dem wohlklingenden  Namen Augusta Treverorum  erhob, erlebte Trier einen raschen Aufschwung. 

Erst unter den gallischen Sonderkaisern, folgend unter den römischen Kaisern wurde Trier mit reichlich prunkvollen Bauten ausgestattet. Noch im 1. Jahrhundert entstanden in Trier das Amphitheater, der Circus (Rennbahn) und die ersten Badeanstalten. Im 2. Jahrhundert wurde unter Mark Aurel und Commodus mit dem Bau der Trierer Stadtmauer, deren Nordtor uns heute als Porta Nigra bekannt ist begonnen. Und seit dem 3. Jahrhundert wurde Trier als Kaiserresidenz zum wichtigsten Ort des römischen Westreiches. Mit immer mehr mächtigen und prunkvollen Gebäude ausgebaut, wuchs die Zahl der Stadtbewohner rasant heran und von überall strömten Kaufleute, Arbeiter und Mägde nach Trier.

Um die Massen zu ernähren wurden riesige steinerne Vorratshallen, wie auf dem Gebiet der heutigen St. Irminen gebaut.  Um den Wohlstand der Bevölkerung zu wahren kamen weitere öffentlich zugängliche Badeanstalten hinzu.  Mit der Zahl der Einwohner stieg auch die Zahl der Wirtshäuser und Herbergen. Und um in der wohlhabenden Metropole Arbeit zu finden zogen auch die Schankwirtstochter Helena mit Ihren Eltern nach Trier.

(Abb.1) Spätantike Helena-Statue im Kapitolinischen Museum

Der Legende nach haben sich der römische Hauptman Constantinus Chlorus, damals noch ein junger Offizier und Helena zum ersten Mal am Trierer Markt gesehen.  Von ihrer Schönheit und ihrem lieblich frommen Wesen angetan verliebte er sich in Helena und sie lebten eine Weile zusammen. Während einer Reise brachte sie gegen 274 in der Nähe von Serbien ihren Sohn Konstantin zur Welt. Wieder in Trier angekommen lebten sie noch einige Jahre glücklich zusammen, bis gegen 289 Constantinus Chlorus zum einem der Regenten des Römischen Westreiches erhoben wurde. Als Bedingung musste er jedoch Theodora, die Stieftochter des Mitkaisers Maximian zur Frau nehmen und folglich seine Beziehung mit der bürgerlichen Helena beenden. Als Constantinus Chlorus bereits im Folgejahr als Befehlshaber gegen die Germanenvölker der Franken und Alemannen über die andere Rheinseite auf Kriegszug ziehen musste, ließ er Helena in Trier zurück. Gut versorgt und in einem Palast lebend konnte sich die gerechtigkeitsliebende Mutter ein paar Jahre lang liebe- und verständnisvoll um die Erziehung Ihres Sohnes Konstantin kümmern. Nach erfolgreichem Kriegszug wieder in Trier angekommen, begann bereits kurze Zeit später die Vorbereitungen für einen erneuten Feldzug. Diesmal sollte es gegen die aufmüpfigen Pikten und Skoten gehen, die in Britannien nördlich des Hadrianswall immer wieder die Grenzen überschritten und unangenehm auffielen.

Im Jahr 305 begann Constantinus Chlorus - der mittlerweile zum Oberkaiser (Augustus) ernannt wurde - von Trier aus seinen Feldzug gegen die Pikten, bei dem ihm erstmals sein Sohn Konstantin begleitete.

Schon im Januar 306 konnte er sich erneut als „Britanniensieger“  auszeichnen lassen. Er hatte die Pikten und Skoten auf eigenem Boden vernichtend geschlagen.  Doch dann brach bei ihm eine rätselhafte Krankheit aus, die ihn vorzeitig altern ließ und der er schon Ende Juli noch in Britannien erlag. Er wurde etwas später in einem Mausoleum zu seiner Kaiserstadt nach Trier gebracht, und nahe der heutigen Kirche St. Maximin beigesetzt.

Seine treuen Truppen riefen nun des Kaisers Sohn Konstantin zu dessen Nachfolger und  zum  Casaer aus.

(Abb.2) Münzen der Kaiserin Helena

Zum Regierungsantritt zog Konstantin zurück in seiner Residenzstadt Trier. Als er dort wieder mit seiner Mutter zusammen kam, erhob er sie zur Augusta - zur Kaiserin des römischen Reiches. Ihr zu Ehren ließ Konstantin Staturen errichten und zahlreiche Münzen mit Ihrem Bildnis und der Aufschrift Augusta Flavia Iulia Helena prägen (Abb.4).  Als Kaiserin nutze sie ihre Möglichkeiten das bis vor kurzen noch blutig verfolgte, sich jetzt aber im ganzen Reich ausbreitende Christentum zu unterstützen und zu fördern. Helena ließ sich bereits 312 taufen und im gleichen Jahr gewann Ihr Sohn Konstantin die legendäre Schlacht an der Milvischen Brücke in Rom. 

(Abb.3) Die Vision der Helena, um 1580 - Vatikan
(Abb.4) Helena mit dem Kreuz - 1495, National Gallery of Art in Washington

Helenas Lebensmittelpunkt lag in Trier. Hier hatte sie Freunde, und von hier förderte sie den Aufstieg des Christentums.  Sie schenkte dem Trierer Bischof Agritius Ihren Palast für die Errichtung einer Kathedrale - aus der der erste Dom zu Trier hervorgehen und später der Dom mit Liebfrauen entstehen wird.  Auch außerhalb der Stadtmauern, wie im Stadtteil Euren - dort  steht die Pfarrkirche auf den Überresten einer von Kaiserin Helena zeitweise bewohnten römischen Villa - findet man Spuren ihres Daseins.

Im hohen Alter von 76 Jahren reiste sie im Jahr 327 ins Heilige Land um in Jerusalem nach dem Kreuz Christi zu suchen. Bei ihren aufwendigen Grabungen fand sie zahlreiche Reliquien die heute auf der ganzen Welt verteilt sind.  Neben den Resten des heiligen Kreuzes fand Sie auch die Grabstätte Christi, den Heiligen Rock und auch die Nägel mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Weiter soll sie auf Ihrer Reise die Gebeine des Apostels Matthias, eine Sandale des Apostel Andreas, die Gebeine der heiligen drei Könige, das Abendmahlmesser und viele weitere Reliquien gefunden haben. Über dem Grab und der Kreuzfundstelle veranlasste sie den Bau einer Grabeskirche in der ein Großteil der heiligen Kreuzreste aufbewahrt wurden. Den Heiligen Rock, die Nägel, die Gebeine des Apostel Matthias und weitere Reliquien nahm sie mit auf ihre Heimreise nach Trier. Einen der Nägel gab sie ihrem Sohn Konstantin, einen weiteren sowie den Heiligen Rock überließ sie dem damaligen Trierer Bischof Agritius. Laut Ambrosius fand Helena zudem auch einen Teil der inri-Aufschrift, die später aber nicht mehr erwähnt wurde.


Gestorben ist Kaiserin Helena wahrscheinlich um 330 in Nicomedian, in der heutigen Türkei. Ihre Gebeine liegen in Rom, Ihr Haupt ruht in einem Büstenreliquiar der Krypta des Trierer Doms (Abb.7).

(Abb.5) Aufbewahrung des Hauptes im Trierer Dom
(Abb.6) in der Krypta des Trierer Doms
(Abb.7) Trinkschale der Heiligen Helena
(Abb.9) griechisches Mosaik: Konstantin und Mutter Helena
(Abb.8) Auffindung des Kreuzes Jesu - um 825

Quellenangaben:

Abb.1: gemeinfreie* Bilddatei  -  Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_(Mutter_Konstantins_des_Gro%C3%9Fen)#/media/File:Elena_Colosseo_Rome_Italy.jpg

Abb.2, 3, 4, 9: gemeinfreie* Bildatei - Ökumenisches Heiligenlexikon - https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Helena.html

Abb.5: Wikimedia Commons - © Túrelio (via Wikimedia-Commons), 2010 / Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-3.0-de
 
Abb.6: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - Trierer Dom (Krypta)
Abb.7: Eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019 - Trierer Dom Schatzkammer

Abb.8: gemeinfreie* Bilddatei  -  Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_(Mutter_Konstantins_des_Gro%C3%9Fen)#/media/File:St_Helena_finding_the_true_cross.jpg

Legenden vom Heiligen Trier - 1933

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Helena.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_(Mutter_Konstantins_des_Gro%C3%9Fen)

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Weitere ausführliche Informationen gibt es in den Wikipedia-Artikeln Gemeinfreiheit und "Bildrechte".

 

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