Amphitheater

Die im 1. Jahrhundert erbaute Kampfstätte ist das älteste römische Bauwerk in Trier.

 

Es war um 100 nach Christus, als für die Bürger der wohlhabende und bedeutende Stadt Augusta Treverorum mit dem Bau eines Circus (Rennbahn) und eines Amphitheaters begonnen wurde. Der Circus, der im Bereich Gartenfeld/Maximiner-Acht lag, existiert heute nicht mehr und so ist das Amphitheater unser ältestes erhaltenes römisches Bauwerk in Trier.

Und gleichzeitig ist das Amphitheater eines der vielen Beweise dafür, dass Trier eine bedeutende Stadt war, denn nur für eine solche Stadt wurde eine derartige Anlage erbaut. Das Gesamtausmaß der Arena betrug 120x145 Meter und fasste auf 3 Rängen mit je 26 Sitzreihen rund um den ovalen Kampfplatz von 75m x 50m rund 20.000 Zuschauern. Bei der Errichtung der östlichen Tribüne nutzten die römischen Architekten den Hang des Petrisberges und bauten dort die Zuschauerränge hinein.


(Abb.1) Rennen im Trierer Circus
(Abb.2)
(Abb.3) Modell des Amphitheaters zur römischen Zeit - Rheinisches Landesmuseum

Das Arenenfeld (der eigentliche Kampfplatz) wurde etwa 3 m tief in den Boden gesenkt und aus den Erdmassen wurde der westliche Hügel für Zuschauerplätze aufgeschüttet.

Die heute noch sichtbaren Steinkammern in der Mauer dienten der Unterbringung von Tieren und Gladiatoren. Unter der Arena befindet sich ein kreuzförmiger Keller von dem aus Mensch und Tier aus der Versenkung mit einem Aufzugsystem und Gewichtssteinen auf den Kampfplatz befördert werden konnten.

Durch die zwei noch erhaltenen Gewölbeeingänge auf der Westseite konnten vornehme Zuschauer auf ein - durch eine Brüstungsmauer getrenntes Podium - Ehrensitze gelangen. Am Südende beginnt der Korridor mit dem Entwässerungsgraben, der damals bis in den Olewiger Bach führte.

(Abb.4) Grundriss Amphitheater



Get Ready To Rumble…

Scharen gefangener Germanen rangen in aussichtslosen Kämpfen um ihr Leben. Tierhetzen, wie die Jagd einer reißenden Bestie auf ein schwächeres Wild. Ein Tiger der einen Waldesel erlegt oder ein Löwe der seine Blutgier bei einem ähnlich leichten Kampf stillt. Männer mit Peitschen gegen einen Bären. Ein Panter wird Opfer eines geschickten Speerwerfers.

Und auch Gladiatorenkämpfe liefern ein besonders unterhaltendes Schaustück. Wie die des Netzkämpfers Retiarius, der ohne Helm und fast halbnackt, lediglich den linken Arm bandagiert - bewaffnet mit einem Dolch und Dreizack und nur geschützt nur durch ein gebogenes Eisenblech auf seiner Schulter auf seinen Gegner, dem schwer bewaffneten Secutor mit Beinschiene, großem Schild und Helm trifft.

Damals ein schon ein Klassiker, die Spannung der Gegensätze - ein Fernkämpfer, dessen Erfolg auf Schnelligkeit und Gewandtheit ruht, rückt einem schwer bewaffnete Nahkämpfer entgegen.

Als Kampfleiter steht der Lanista mit Gerte zwischen den beiden Kämpfern (Die im Trierer Amphitheater abgehaltenen Kämpfe fanden unter der Bevölkerung sehr große Beliebtheit, wie sich an der hohen Anzahl an Mosaikböden mit vollständigen Darstellungen von Kampfszenen unter unseren römischen Funden zeigt.)

Neben den blutigen Kämpfen wurden im Amphitheater aber auch theatralische Vorführungen und Bühnenstücke vorgetragen.  Weiter diente der Platz für Ausrufe wichtiger Ankündigungen und auch für öffentlichen Hinrichtungen.

Im Ostflügel des Kellers wurden viele Verfluchungstäfelchen gefunden, was vermuten lässt, dass sich dort die Totenkammer befunden hat.

(Abb.5) Verfluchungstäfelchen, gefunden bei Ausgrabungen im Amphitheater
(Abb.6) Tigerin schlägt Esel nieder
(Abb.7) Darstellung von Kampfmusik, Wasserorgel und Hornbläser
(Abb.8) Retiarius gegen Secutor, dazwischen Lanista
(Abb.9) Bestiarius neben einem besiegten Leoparden
(Abb.10) Steinkammern in der Mauer
(Abb.11) Grundriss der Arena mit der 1908 freigelegten Unterkellerung
(Abb.12) Unterkellerung heute

Im 2. Jahrhundert wurde in Trier mit dem Bau der 6,4 km langen Stadtmauer begonnen. In diesem Rahmen ließen die römischen Planer das mächtige Amphitheater in die Stadtmauer als östliches Stadttor integrieren.

Der Nordeingang des Amphitheaters lag innerhalb der Stadt, sein Südeingang außerhalb. Der Besucher musste durch das Amphitheater schreiten um in die Stadt zu gelangen.

Im Jahr 275 standen die Franken und Alemannen vor Trier. Sie plünderten, brandschatzen die Stadt und zerstörten so gut wie alle Bauwerke. Auch die Arena wurde zu jener Zeit der Germanenkriege zerstört, konnte aber bereits um die Jahre 286 unter Kaiser Constantinus Chlorus wiederhergestellt und die Spiele wieder aufgenommen werden.

Bis zum Jahr 392 erlebte Trier noch einige gute und auch schlechte Jahre, bis die römische Verwaltung das unsicher gewordene Trier im selbigen Jahr endgültig verließ. Nachdem der kaiserliche Hof Trier verlassen hatte, standen im Jahr 406/407 erneut Germanische Stämme vor den Toren unserer Stadt. Die Restbevölkerung war während der Unruhen nicht mehr zahlreich genug um den großen Mauerring der Stadt zu besetzten und erfolgreich zu verteidigen. Sie flüchteten in das mittlerweile zu einer festungsartigen Fluchtburg umgebaute Amphitheater und verschanzten sich mit der Igeltaktik in ihr.

(Abb.13) Rekonstruktion mit integrierter Stadtmauer

Nach nun folgendem Ende des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert  und dem Einzug der Franken in Trier wurde die Arena teilweise zerstört und die steinernen Ränge zum Bau von Kirchen und Klöster abgetragen

Seit 1211 wurden nur noch die oberirdischen Ruinen als Steinbruch für die Mönche von Sankt Himmerod genutzt.

Seit dem Jahr 1211 wurden nur noch die oberirdischen Ruinen als Steinbruch für die Mönche von Himmerod abgetragen und verwendet. 

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden die Ruine des Amphitheaters immer mehr verschüttet und die einstige Kampfesstätte geriet in Vergessenheit. Um 1650 war das Amphitheater so gut wie verschwunden und gänzlich mit Weingärten besetzt. Erst im Jahr 1816 nachdem Napoleon aus dem Rheinland wieder vertrieben wurde, wurde sie von den Preußen wieder ausgegraben und dabei Kellerräume, Reste der Brüstungsmauer, der Entwässerungskanal und andere Einrichtungen wieder freigelegt.

Lange hat sich im Mittelalter als schützende Hülle ein Sumpf, die dann allmählich zu einer Torfschicht wurde über die antiken Schätze gelegt. Der feuchten Schutzhülle ist die treffliche Erhaltung vieler Einzelfunde dieser Zeit zu verdanken. Außer Holz wurden Arbeiten aus Eisen und Bronze gefunden. Sogar Bruchstücke aus Elfenbein mit prunkvollen Schnitzereien waren, genauso wie zahlreiche Verfluchungstäfelchen aus Blei und Amulette aus Silber unter den Fundstücken. 

(Abb.14)
(Abb.15) Von links nach rechts: Thermenanlage, Basilika, Römischer Bauteil des Domes, Porta Nigra und das mit Weinbergen bewachsene Amphitheater (Wilmowski.)
(Abb.16) Gänge d. Amphitheaters
(Abb.17) Arenenfeld
(Abb.18) Amphitheater - Blick vom Petrisberg

Quellenangabe:

Abb.1: Ausschnitt Mosaik (gef. in den Kaiserthermen) - Landesmuseum Trier, eigene Fotoaufnahme, 19.05.2019

Abb.2,10,12,16,17,18:  eigene Fotoaufnahme, 2018

Abb.3:  eigene Fotoaufnahme im Landesmuseum Trier, 19.05.2019  (©Landesmuseum Trier)

Abb.4:  Führungsblätter des Landesmuseum Trier Nr. 2 - Das Amphitheate zu Trier, Prof. Dr. E. Krüger, 1944

Abb.5:  Rheinisches Landesmuseum Trier  (Quelle: TRIER, Kaiserresidenz und Bischofssitz - Selbstverlag des Rheinischen Landesmuseum Trier)

Abb.6,7,8,9: Führungsblätter des Landesmuseum Trier Nr. 2 - Das Amphitheate zu Trier, Prof. Dr. E. Krüger, 1944

Abb.11:  Führungsblätter des Landesmuseum Trier Nr. 2 - Das Amphitheate zu Trier, Prof. Dr. E. Krüger, 1944

Abb.13:  Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 166 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Abb.14: (Entwurf A. Neyses) aus Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 170 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Abb.15:  gemeinfreie* Bilddatei - Quelle: http://www.amphi-theatrum.de/1494.html  (grafisch verändert/beschnitten, nur Darstellung des oberen Bereichs)

 

* Dieses Bild ist gemeinfrei, denn
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