Reichsabtei Sankt Maximin

(Abb.1) Eingangsbereich

Die Reichsabtei Sankt Maximin war während der langen Zeitspanne des Mittelalters das Einflussreichste und Größte der 4 Benediktinerklöster in Trier. Sie entwickelte sich zu einem der wichtigsten Abteien des deutschen Reiches und war eines der ältesten Klöster Westeuropas.

Heute sind nur noch das ehemalige Eingangsportal des einstigen Klosters und das Kirchengebäude vom Wiederaufbau aus dem Jahr 1684 erhalten. Kirchengebäude und Kloster des heiligen Maximinus sind im Laufe der Zeit mindestens zweimal komplett zerstört worden.

Berühmt ist Sankt Maximin neben seinen historischen Bischofsgräbern für das weitflächig unter dem Kirchengebäude liegende spätantike christliche Gräberfeld mit über 1000 Sarkophagen.

(Abb.2)

Einzigartig ist die Anbringung der Särge, die teils übereinandergeschichtet liegen. Die ältesten stammen aus dem 2. Jahrhundert, einige von den steinernen Sarkophagen stehen unter den Grundmauern der heutigen Kirche, und stützen seit Jahrhunderten den heutigen Bau.

1. Kirchenbau

Die Anfänge einer klösterlichen Gemeinschaft an dieser Stelle reichen bis auf die Zeiten des Kaisers Konstantin und der heiligen Helena zurück. Damals stand hier ein römisches Prachtgebäude, welches in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts durch Schenkung an Bischof Agritius in ein christliches Kirchengebäude zu Ehren des heiligen Evangelisten Johannes umgewandelt wurde. Anschließend übertrug Agritius das komplette Gelände einer Genossenschaft von Priestern.  

Bischof Maximinus, der 5. Trierer Bischof trat die Nachfolge des verstorbenen Agritius an und gründete aus der Genossenschaft ein Kloster. Im Jahr 346 starb Maximinus auf einer Reise von Konstantinopel nach Poitiers. Sein Nachfolger Bischof Paulinus ließ seine Gebeine im Jahr 353 nach Trier überführen und in der Johanneskirche beisetzten. Seit der Übertragung der Gebeine in die Johanneskirche verdrängte die nun läufige  Bezeichnung Maximinkirche allmählich ihren ursprünglichen Namen.

(Abb.2.2) Spätantiker Kirchenbau aus dem 4. Jh. (Modell im Bischöflichem Museum Trier)

2. Kirchenbau

Von großer Bedeutung für die klösterliche Gemeinschaft war der Priester oder Chorbischof Hildulf (sein genauer  kirchlicher Rang ist unbekannt). Er riss zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert das alte Kirchengebäude ab und baute an gleicher Stelle eine neue und größere Kirche. Er erweiterte und verschönte die gesamte Klosteranlage und versammelte 100 Mönche in ihr, die nach den Regeln des heiligen Benedikt lebten. Hildulf wandelte das Kloster in eine Benediktiner Abtei um und gilt daher als eigentlicher Gründer der Abtei Maximin. Ferner ließ er die Gebeine des Maximinus in eine neue Krypta verlegen.

Durch großzügige Güterschenkungen während der fränkischen Ära erlangte die Abtei schon frühzeitig zu großem Reichtum. Ihre Grundbesitze und Ansprüche reichten über Luxemburg, Wasserbillig, Mertert, Detzem, Kenn, Kirch, Riol bis nach Leiwen und weiter.  Seit Hildulf’s Umbauten erlebte die Benediktinerabtei eine wahre Blütezeit.

(Abb.3) Wappen von Sankt Maximin

3. Kirchenbau

Im Jahr 882 endete die Blütezeit mit dem plötzlichen Einfall der Wikinger. Wie unzählige andere Bauwerke in Trier wurde auch Sankt Maximin vollkommen zerstört und erst von 896 – 899 wiederaufgebaut. Der neue Kirchenbau stürzte bereits 34 Jahre später im Jahr 933 wieder ein. Der wiedererfolgte ottonische Neuaufbau konnte bereits im Jahr 952 abgeschlossen werden.

(Abb.3.2) Ottonischer Kirchenbau (Modell im Bischöflichen Museum Trier)

Zu jener Zeit waren die Grafen von Luxemburg  Vögte der mittlerweile unabhängigen Reichsabtei. Die Abtei Maximin hat den Erzbischöfen und Kurfürsten gegenüber stets eine unabhängige Stellung beansprucht und behauptete, sie stehe in geistlichen Dingen unmittelbar unter der päpstlichen - und in weltlichen unter der kaiserlichen Gerichtsbarkeit. Diesen Status der Reichsunmittelbarkeit des Klosters war lange umstritten und wurde durch die Trierer Erzbischöfe von je her angefochten. Es ist heute kaum noch möglich zu bestimmen wie lange sie genau bestand, und wann und wie oft diese wieder unterbrochen wurde. Eine nachweislich unabhängige Stellung erlangte die Abtei erst durch Urkunden der Kaiser Otto I. und Otto II aus dem 10. Jahrhundert. 

Diese Reichsunmittelbarkeit wurden unter dem Trierer Erzbischof Albero im Jahr 1139 durch König Konrad II und dem Papst wieder aufgehoben und die freie Reichsabtei wieder der geistlichen und weltlichen Gerichtsbarkeit der Erzbischöfe von Trier unterstellt.

(Abb.4)

Als Erzbischof Albero von der wiedererlangen Gerichtsbarkeit Gebrauch machen wollte, riefen die Mönche ihren Vogt Graf Heinrich von Luxemburg  zum Schutze ihrer Freiheit zu Hilfe. Der Graf rückte mit Heeresmacht heran und zwang den Erzbischof zu den Waffen. Am Ende einer 6 Jahren anhaltenden Fehde konnte sich Albero durchsetzen und den Feind zurückdrängen. Er verfolgte ihn bis zum Kloster Himmerod, umstellte dort seine Truppen und besiegte ihn. Der geschlagene Graf konnte flüchten, aber Sankt Maximin war nun wieder endgültig unter die Kontrolle der Trierer Erzbischöfe gelangt.

Im 13 Jahrhundert brannte das ottonische Kirchengebäude aus dem Jahr 952 vollständig aus.

4. Kirchenbau

Nach folgendem Wiederaufbau nach altem Grundriss erlebte St. Maximin eine neue Blütezeit. Zu jener Zeit scheint sie auch ihren Status der Reichsunmittelbarkeit zurückerlangt zu haben.

Auch einen äußerst negativen und besonders düsteren Rang hat Maximin im Bistum Trier nachzuweisen, sie waren Meister der Hexenverfolgung. Alleine um die 250 Hexenprozesse, Folter und Hinrichtungen sind seit dem 15. Jahrhundert in Maximin nachgewiesen.

(Abb.5)
(Abb.6) Erzbischof Albero

Ebenso waren die Mönche der Abtei Maximin - künstlerisch nicht mindertalentierter wie die der Abtei Matthias - für ihre hervorragenden Urkundenfälschungen bekannt (Urkundenfälschungen waren durchaus üblich zu jener Zeit – und die Mönche von Maximin und Matthias waren Meister ihres Faches/Kunstwerks). 

(Abb.7) Franz von Sickingen belagert die Stadt Trier

Als Franz von Sickingen - Unterstützter der Reformation - dem katholischen Erzbischof und der Stadt Trier im Jahr 1522 den Krieg erklärte und sie belagerte, kam es zu einem Gefecht und zur folgenden Flucht Franz von Sickingens aus Trier.

Wie schon weiter oben erwähnt, war die unmittelbare Reichsabtei Maximin mit ihren Mönchen nicht dem Trierer Bischof, sondern dem König unterstellt und durften unabhängig walten und wirtschaften. Den Trierer Bischöfen, die dadurch weder Einfluss noch Ansprüche an die Abtei hatten, war sie dadurch seit je her ein Dorn im Auge. Nach der erfolglosen Belagerung der Stadt sahen der Erzbischof und der Stadtrat ihre Chance gekommen

(Abb.8) Maximin im Jahr 1589

und ließen die Reichsabtei St. Maximin – da sie so gefährlich nahe an der Stadtmauer lag  (so das Argument) - mit ihrem Kirchengebäude durch Sprengungen völlig zerstören.  Unter größten Aufopferungen bauten die Mönche ihren Kirchenbau an alter Stelle wieder auf.  Im Jahr 1570 wurde der Abtei die Reichsunmittelbarkeit endgültig durch das Reichskammergericht abgesprochen und die Abtei dem Trierer Bischof unterstellt.

5. Kirchenbau

Die vierte und letzte vollständige Zerstörung musste die Maximinkirche im Jahre 1674 durch die französischen Truppen Ludwig des XIV über sich ergehen lassen. Auch sie legten die Kirche und das Kloster in Schutt und Asche. Der folgende Wiederaufbau wurde im Jahr 1680 begonnen und 1683 bereits unter Erhaltung der gotischen Formen vollendet.

Mit Napoleons Einzug in Trier 1802 und dem Ende des Kurstaates folgte die Verstaatlichung des Klosters und der Umbau zu einer Kaserne mit Kirche, Gefängnis und Schule. In den Folgejahren wurden die maroden oberen Turmgeschosse abgebaut und durch einfache Pyramidendächer ersetzt.

Nach Napoleons Verbannung und der Vertreibung der Franzosen wurde das Gelände von den Preußen übernommen und ab 1816 weiter als Maximin-Kaserne mit Garnisonkirche genutzt.

Es folgte der 1. Weltkrieg. Mit der deutschen Kapitulation und Abschluss des Versailler-Vertrags zogen die amerikanischen Besetzungstruppen in Trier ein und übernahmen von 1918 – 1919 das Kasernengelände.

(Abb.9) St. Maximin nach Wiederaufbau 1683
(Abb.10) Maximinkaserne 1906 (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.11) Maximinkaserne 1902 (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.12) US-Truppen nutzen die Maximinkaserne 1918

Danach folgten die französischen Truppen und übernahmen die Kaserne bis 1928 als „Quartier Verdun“.  

Während des Naziregimes und des 2. Weltkrieges wurde die Kaserne nur zeitweise von der Wehrmacht genutzt. Die damals noch vorhandenen Anbauten des Klosters sind während des zweiten Weltkriegs durch Bombenangriffe zerstört worden.  

Im Jahr 1979 begann der große Wiederaufbau der Kirchenanlage, der sich bis 1995 hinzog. Unter Erhaltung des Baudenkmals und Anlehnung an den äußeren Urzustand wurde der Innenteil des Kirchengebäudes zu einer Sport- und Festhalle umgebaut. Die 1802 abgerissenen Turmgeschosse konnten nicht wiederaufgebaut werden und wurden durch umlaufende Balustraden ersetzt.

 

In Maximin liegen unter anderem die Bischöfe Maximinus, Agritius, Nicetius, Basilius und Weomad begraben.

(Abb.13) Krypta Sankt Maximin (© Rudolf Voigtländer)

Quellenangabe:

Abb.1:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Sankt_Maximin_BW_1.jpg

Abb.2:  eigene Fotoaufnahme, 2018

Abb.2.2:  eigene Fotoaufnahme im Bischöflichem Museum, 19.05.2019 - ©Bischöfliches Museum Trier

Abb.3:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“ - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wappen_Reichsabtei_Sankt_Maximin.svg

Abb.3.2:  eigene Fotoaufnahme im Bischöflichem Museum, 19.05.2019 - ©Bischöfliches Museum Trier

Abb.4:  gemeinfreie* Bilddatei - Herkunft aus alter Zeitschrift, Quelle: sehr wahrscheinlich Stadtbibliothek/Stadtarchiv Trier

Abb.5:  gemeinfreie Bilddatei* - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Folter_von_Hexen.jpeg

Abb.6:  © Stadtarchiv Trier

Abb.7:  eigene Fotoaufnahme, 2019 - Museum Simeonsstift, Trier (© Museum Simeonstift Trier)

Abb.8:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Maximin-1589.jpg

Abb.9:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Trier_Maximin_18._Jhd.jpg

Abb.10,11:  © Stadtarchiv Trier

Abb.12:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:US_troops_at_Maximin_barracks_01Trier_1918.jpg?uselang=de

Abb.13:  © Rudolf Voigtländer

 

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