Konstantinbasilika

Sie ist das Älteste als Kirche genutztes Gebäude Deutschlands und gilt als der Bruttotyp des romanischen Kirchenbau

(Abb.1)

Basilika, Konstantinbasilika, Palastaula oder Palatium?

Allgemein bekannt ist unser rötlicher Ziegelbau als die Konstantinbasilika. Genau genommen ist es aber eine falsche Bezeichnung da sie ursprünglich als Palastaula, also dem Thronsaal der regierenden Kaiser gebaut wurde.

Die Konstantinbasilika wurde auf den Resten älterer Bauwerke aus dem 1.   2. und 3. Jahrhundert errichtet. Noch heute können wir Teile der Vorgängerbauten unter dem Boden der Basilika konserviert und öffentlich zugänglich besichtigen (nach Anmeldung).

Farbig eingezeichnet: Teile der römischen Vorgängerbauten ==>

(Abb.2) Grundriss mit römischen Vorgängerbauten

Römische Nutzung

Die Palastaula bildete mit den Kaiserthermen, dem Circus und den umliegenden Vorhöfen und Nebengebäuden das Kernstück des Kaiserlichen Palastbezirks. Sie besteht im Gegensatz zu den übrigen noch erhaltenen römischen Bauwerken in Trier ganz aus Ziegelsteinen.

(Abb.3) Säule Skiziert

Sie ist ein rechteckiges Langhaus mit einer großen rundlicheren Apsis, die fast die ganze nördliche Stirnwand einnimmt. Der gewaltige Ziegelbau ist heut noch 67m lang, 28m breit und etwa 33m hoch und verfügt über eine Mauerstärke von 2,70 m bis 3,40 m.

Das heutige Bild einer freistehenden Halle entspricht nicht mehr der ursprünglichen Ansicht, zur römischen Zeit war die Palastaula von prächtigen Anlagen umgeben. Östlich und westlich schlossen sich von Säulenhallen gesäumte Höfe an und eine 17m lange Eingangshalle war der Südseite eindrucksvoll vorgelagert.

An den Seiten der Palastaula liefen auf Höhe der Fensterbänke beider Geschosse  Galerien rund um den Bau. Ihre riesigen Wandflächen - ursprünglich außen grau-weiß verputzt - sind von je 9 Fenstern und hochstrebenden Arkaden geschmückt.

(Abb.4) Modell der römischen Anlage - Nordseite
(Abb.5) Modell der römischen Anlage - Südseite (Eingangsbereich)

Das breite Mauerwerk ist in seinem Kern ganz aus Ziegeln gemauert und nicht verblendet. Schon damals erhielt sie durch Zugabe von Ziegelsplitt ihren rötlichen Schimmer.

Natürlich wurde auch in des römischen Kaisers Wohnzimmer für angenehme Temperaturen gesorgt, mit beheizten Wänden und Fußböden sorgten im weit ausgedehnten Raum für eine angenehme Raumtemperatur.  Das Innere der Halle war ausgesprochen prunkvoll ausgestattet.

Ein kostbarer Marmorfußboden mit schwarzweißem Muster zierte auf ganzer Fläche den Boden des riesigen Raumes. Selbst die Wände wurden bis auf die Höhe der Fenstersimse mit einer kostbaren glänzenden Marmortäfelung verziert. Von dort aufwärts schmückten aufwendige Malereien und feinster Stuck die Wand bis hoch zur freihängenden Kassettendecke. In den mit Goldmosaiken geschmückten Nischen standen einst große Marmorfiguren. Und der kaiserliche Thron, stand erhoben in der besonders großzügig und prachtvoll ausgestatteten Apsis. Der von Süden her durch die Vorhalle eintretende Besucher musste stolze 84m durchschreiten, um in die weiträumige Apsis zu gelangen, in der der Kaiser, umgeben von den höchsten Würdenträgern des Reiches thronte.

Der Baubeginn der als Repräsentationsbau geplanten Anlage lag ungefähr bei 308 und wurde wahrscheinlich unter Kaiser Konstantin begonnen. Angeblich ließ Konstantin extra 1.500.000 Flachziegel aus den Pyrenäen und Nordafrika für den Bau nach Trier kommen. Die rötlich schimmernde Palastaula Konstantin des Großen diente fast 100 Jahre als Thronsaal, Kulisse für Audienzen und Empfänge sowie das Hofzeremoniell der römischen Kaiser.

(Abb.6) Grundriss inkl der römischen Anbauten

Ab 392 wurde Trier den Kaisern zu unsicher. Von den Germanischen Stämmen der Alemannen, Sueben und Vandalen bedroht verlegte der römische Kaiser seine Residenz von Trier nach Mailand. Und mit Abzug der  römischen Verwaltung verlor das Gebäude zunehmend Bedeutung. Die Zeit der Auflösung des römischen Reiches begann und mit dem Zerfall erlangten die fränkischen Könige das Sagen über unsere Stadt. Die ehemalige kaiserliche Audienzhalle, schon stark beschädigt und ohne Dach kam ebenfalls in den Besitz merowingisch-fränkischen Könige, die es nun Palatium nannten.

Mittelalter

Sie bauten die dachlose und ausgebrannte Ruine in eine festungsartige Palastanlage um, und aus den Nebengebäuden wurde der Sitz des ansässigen fränkischen Gaugrafen. Das Hauptgebäude diente allerdings nur als festungsartiger Zufluchtsort bei Gefahr, denn es schien für damalige Verhältnisse schier uneinnehmbar. Der nicht mehr überdachte Bau wurde im inneren durch kleinere Gebäude und einen Hofraum unterteilt. Dieser Zustand hielt noch einige Jahrzehnte an bis das Grafenamt verfiel und die bischöfliche Landesherrlichkeit emporstieg.

Ab etwa dem Jahre 1000 war es so weit, der Trierer Bischof beanspruchte den ehemaligen Palastbereich für die Kirche und nahm das Gebäude in Besitz. Von nun an nutzen die Trierer Erzbischöfe und späteren Kurfürsten die ehemalige Palastaula als Burg. Sie bauten sie zu einer mächtigen Festung mit Zinnen und einem Bergfried um und verlegten schon kurze Zeit später ihren Bischofssitz in den ehemaligen Palastbereich. Seit dem 13. Jahrhundert residieren die Trierer Erzbischöfe nun endgültig im Basilika-Bering.

(Abb.7) Stich, 1648 - Ansicht 1550 mit Zinnen

Neuzeit

Zur Zeit der Renaissance, der Kulturepoche in der Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit, sollte auch in Trier für die erzbischöflichen Kurfürsten ein Schloss im Stil der Spätrenaissance erbaut werden. Ab dem Jahr 1615 kam es dann unter Kurfürst und Erzbischof  Lothar von Metternich zu den größten Umbauarbeiten die der ehemalige Kaisersitz über sich ergehen lassen musste.

(Abb.8) Kurfürst Lothar von Metternich

Ursprünglich plante man das komplette Bauwerk samt Nebengebäuden abzureißen um dort an freier Stelle den neuen Palast zu errichten. Alleine wegen der hohen Festigkeit des römischen Mauerwerks und den damit verbundenen hohen Kosten und zeitlichen Aufwands wurde davon abgesehen.

Der angesehene Kurfürst Lothar von Metternich begann gegen 1615 mit den Abrissarbeiten aller Nebengebäuden.  Dann trug er große Teile der Südwand und fast die komplette Ostwand ab. Von dem einst erhabenen Bauwerk blieben nur noch die dachlose Westwand (Sichtseite), kleine Teile der Südwand (Eingang) und die Nordwand mit ihrer Apsis erhalten.  (Abb. 1+2)

(Abb.9) Kurfüstliches Palais
(Abb.10) - Grundriss des Palais mit umgebauter Basilika

Während den Wirren des 30-jährigen Krieges wurden die Bauarbeiten häufiger unterbrochen, aber nach kurzer Zeit die noch stehenden Reste der Basilika als viergeschossiger schmalen Wohnflügel in den Bau des neuen vierflügeligen Kurfürstlichen Palais integriert.  Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1647 unter Kurfürst von Sötern. So entwickelte sich Westwand der Basilika zur Außenmauer des Kurfürstlichen Schlosses und der ehemalige Palastinnenraum zu einem Teil des Schlosshofes.

Von Kaserne zur evangelischen Kirche

Im Jahr 1789 brach in Frankreich die Revolution aus.  Die revolutionierenden französischen Truppen nahmen Trier 1794 ein und brachten das Ende des Trierer Kurstaates. Nach Aufhebung des Kurfürstentums und der Verstaatlichung der kirchlichen Güter wurde der Palast zunächst als Lazarett, später als Kaserne genutzt.

Nachdem die Preußen ab 1814 die Franzosen wieder vertrieben hatten und Trier der Rheinprovinz zugeordnet hatten, wurde die die Palastaula zunächst als preußische Kaserne weitergeführt.

Ab 1846 ließ König Friedrich Wilhelm IV von Preußen sämtlich Ein- und Anbauten des 17. Jahrhunderts wieder entfernen und auf den noch vorhanden römischen Fundamenten die Ost- und Südwand wiederaufbauen. Dafür musste das kurfürstliche Schloss einen Flügel opfern. 1856 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen und das Baudenkmal feierlich der evangelischen Gemeinde Triers als Gotteshaus überlassen. Im selben Jahr folgte die Einweihung der Konstantin Basilika zur evangelischen Kirche des Erlösers.

(Abb.11) Innenansicht nach Umbau im Jahr 1856
(Abb.12) Einweihung Basilika mit König Friedrich Wilhelm IV
(Abb.13) Basilika 1890 (© Stadtarchiv Trier)

Als solche wurde bis zum nächsten Krieg 1871 (Deutsch-Französischer Krieg) genutzt, dann aber als „Palastkaserne“ das 7. Rheinische-Infanterie-Regiment umfunktioniert.

Dem Deutsch-Französischer Krieg folgte 1914 der 1. Weltkrieg. Nachdem dieser für Deutschland verloren war wurde Trier erneut von den Franzosen besetzt. Mit Abzug der französischen Besatzung 1930 war vorerst die militärische Bestimmung des Palastes zu Ende. Nun sollte das riesige Gebäude zum Rheinischen Landesmuseum umgebaut werden und bis 1939 liefen bereits die Arbeiten. Der folgende 2. Weltkrieg verhinderte die Fertigstellung und Nutzung als Museum. 1944 erreichte ein Flieger-Großangriff unsere Stadt Trier.

Alleine auf die neu gestaltete Basilika und das Schloss wurden über 100 Brandbomben abgeworfen, doch gelang es ihnen nicht diesen mächtigen Bau zu zerstören. Aber er brannte völlig aus und wurde stark beschädigt, Gottesdienste konnte man nicht mehr abhalten.

(Abb.14) Palastkaserne 1907 (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.15) Bombenabwurf über Trier (Pfalzel)
(Abb.16) Basilika Innere Apsis (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.17) ausgebrannte Basilika ohne Dach (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.18) ausgebrannte Basilika ohne Dach (© Stadtarchiv Trier)
(Abb.19) (© Stadtarchiv Trier)

Nach Kriegsende, in den 1950er Jahre begann der Wiederaufbau der evangelischen Kirche, und 1956 erfolgte schon erneute Einweihung.  Die Konstantinbasilika ist nun das älteste als Kirche genutztes Gebäude Deutschlands.

Mit der Trierer Konstantinbasilika stiftete Konstantin den Bruttotyp der romanischen Kirche. Alle folgenden wurden aus dem Vorbild der Trierer Konstantinbasilika erbaut. Die lebensgroße Statur des Kaisers wurde durch das Kreuz Christi ersetzt und wo einst der Kaiser thronte wurde der Altar aufgestellt. Statt blutige Tieropfer zu vollziehen, gedenken die Christen dem Blutopfer Jesu.  

(Abb.20)
(Abb.21) Konstantinbasilika Neu Innen

Was heute noch römisch zu sehen ist:

Die Apsis, Teile der Südwand und die Westwand mit den rötlichen Ziegel, die aber zur römischen Zeit verputzt waren

Originale römische Außenmalerreien an 9 der 14 Fensterachsen der unteren Rundbogenreihe auf der West- und an der Nordseite erhalten.

Außerdem ist eine etwa 60m² große Putzfläche an der Nordfassade mit vereinzelten Farbresten vorhanden.

(Abb.22) Römische Putzreste
(Abb.23) Westwand mit römischen Putzresten

Quellenangabe:

Abb.1,22,23:  eigene Fotoaufnahmen, 2019

Abb.2:  eigene Zeichnung (Quellen: Gymnasial-Bibliothek - Herausg. Prof. Hugo Hoffmann, Erfurt - 53. Heft "Das römische Trier" von Dr. Franz Cramer, Gütersloh 1911 + Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 150+151 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlage Philipp von Zabern, Mainz

Abb.3:  eigene grafische Überarbeitung - Quelle: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 147 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Abb.4,5: Quelle: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 142 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlage Philipp von Zabern, Mainz

Abb.6:  eigene grafische Überarbeitung - Quelle/Ursprung: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 145 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz  +  TRIER, Kaiserresidenz und Bischofssitz, Verlag Philipp von Zabern, Rheinisches Landesmuseum Trier, 1984

Abb.7:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Konstantinsbasilika_Merian_1646(1548).jpg?uselang=de

Abb.8: gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lothar_von_Metternich.jpg?uselang=de

Abb.9:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BasilikaAlsSchloss.jpg?uselang=de

Abb.10:  eigene grafische Überarbeitung - Quelle/Ursprung: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 157 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Abb.11:  gemeinfreie Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier,_Rheinland-Pfalz_-_Basilika,_Altarraum_(Zeno_Ansichtskarten).jpg?uselang=de

Abb.12:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Einweihung_Basilika_Trier_mit_K%C3%B6nig_Friedrich_Wilhelm_IV.jpg

Abb.13,16-19: © Stadtarchiv Trier

Abb.14:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einweihung_Basilika_Trier_mit_K%C3%B6nig_Friedrich_Wilhelm_IV.jpg?uselang=de

Abb.15: gemeinfreie** Bilddatei - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier-Pfalzel_RR_bridge_B-26_attack2_1944.jpg?uselang=de

Abb.20:  eigene Nachzeichnung / Quelle/Ursprung: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern TRIER Teil-1 Text, S. 145 - Römisch-Germanisches Museum Mainz, 1977 Verlag Philipp von Zabern, Mainz  +  TRIER, Kaiserresidenz und Bischofssitz, Verlag Philipp von Zabern, Rheinisches Landesmuseum Trier, 1984

Abb.21:  gemeinfreie* Bilddatei von B. Werner - Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Konstantinbasilika_BW_4_zurechtgezurrt.jpg

 

* Dieses Bild ist gemeinfrei, denn
• das Werk wurde von seinem Rechteinhaber durch Verzicht auf das Urheberrecht als Public Domain nach amerikanischem Recht freigegeben, oder
• das Werk wurde unter einem solchen Nutzungsrecht zur Verfügung gestellt, dass es von jedermann frei benutzbar und veränderbar ist (§ 31 Abs. 1 UrhG), oder
• die Urheberrechtsschutzdauer ist abgelaufen, weil mindestens 70 Jahre - bei Fotos: 50 Jahre - seit dem Tod des Urhebers vergangen sind, oder
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** Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung oder einem ihrer Organe in Ausübung ihrer dienstlichen Pflichten erstellt wurde und deshalb nach Titel 17, Kapitel 1, Sektion 105 des US Code ein Werk der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist.

Weitere ausführliche Informationen gibt es in den Wikipedia-Artikeln Gemeinfreiheit und "Bildrechte".

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