Die Kaiserthermen

Die einst auf dem fast 37.000qm umfassenden Areal stehenden Kaisertherme zählen zu den größten römischen Bauwerken Deutschlands

Die Kaisertherme zählen mit einer Gesamtfläche von 255 x 145 m (ca. 37.000 qm) zu den größten und prächtigsten Bauwerken die während der römischen Epoche in ganz Europa (ausgenommen Südeuropa) erbaut wurden. In Trier waren nur noch die Barbaratherme (die zweitgrößte Thermenanlage des Römischen Reiches) mit einer Grundfläche von rund 42.000 qm größer. Von den 3 römischen Badeanlagen Triers (Thermen am Viehmarkt, Barbaratherme und Kaisertherme) sind die Kaisertherme die Jüngsten und gleichauf die Imposanteste.

Warmwasserbad Caldarium

Warmluftbad Tepdarium

Kaltwasserbad Frigidarium

Sportplatz Palaestra

(Abb.1) (© Berthold Werner)
(Abb. 2) (© Berthold Werner)
(Abb.3) Kaisertherme Trier (© Berthold Werner)

1 . Bauperiode - Römische Badeanlage

Mit dem antiken Bau der für die Öffentlichkeit bestimmten Anlage wurde bereits im 3. Jahrhundert begonnen und von Kaiser Konstantin bis zu seinem Abzug aus Trier (ungefähr 326) – mit kleinen Unterbrechungen - fortgeführt. Zu jener Zeit bildeten die Kaisertherme den prunkvollen Abschluss der von der Römerbrücke aus quer durch die Stadt führenden Prachtstraße. Allein das Warmwasserbad der Kaisertherme (die heutige Ruinenfront) umfasste 3 getrennte Warmwasserbecken und war von der Grundfläche bereits größer als die Porta Nigra. Die mit Holzkohle gespeiste Heizungsanlage konnte eine Temperatur von bis zu 600°C erzeugen. Mit ihrer Hilfe wurden die Säle und Räume durch Fußbodenheizungen erwärmt. Die zahlreichen Feuerstellen lagen an den Außenmauern und in den Innenhöfen zwischen den Räumen. Sie leiteten die Wärme in die Hallen, Wannen und Schwimmbecken. Ein weitverzweigtes, teilweise zweistöckiges unterirdisches System von Bedienungsgängen sollte für einen reibungslosen und ungestörten Ablauf des Badebetriebs sorgen.

(Abb.4)
(Abb.5) Grundriss Erdgeschoss von D. Krenker
(Abb.6) Kellergeschoss (rechts der verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer)

Ihr schweres Gussmauerwerk war mit rohbehauenen Kalksteinen verblendet. Auf der Hauptachse lagen von Osten nach Westen aneinander gereiht das Warmwasserbad (Caldarium), der runde Saal des Warmluftbades (Tepdarium), das Kaltwasserbad (Frigidarium) und schließlich der ringsum von weiteren Hallen umgebene Sport- und Gymnastikplatz (Palaestra). Die heute nicht mehr erhaltene und sehr prunkvoll gestaltete Westfassade (Richtung Weberbachstrasse) war die eigentliche Sichtseite und der Eingangsbereich der Anlage. Der in der Mitte der Westwand gelegene Eingangsbereich wurde nach Art des Triumphbogens Konstantin des Großen in Rom als wuchtiger Portalbau mit 3 Einlässen eingebaut.  Viele Jahre stand die prunkvolle Thermenanlage im kaiserlichen Palastbereich ohne jedoch vollends fertiggestellt werden zu können. (Der Badebetrieb konnte nach Forschungsergebnissen, wenn überhaupt nur eingeschränkt stattgefunden haben). Im Jahr 326 zog sich der Kaiser aus Trier zurück und verlegte seinen Sitz weiter südlich ins sichere Byzanz (später Konstantinopel – heute Istanbul); die Abschlussarbeiten wurden für die folgenden Jahre komplett eingestellt. Als im Jahr 355 erneute Franken und Alemannen die Stadt einnahmen und verwüsteten, begann die unfertige Anlage zu verfallen.  

(Abb.7) Zeichnungen von D. Krenker,
(Abb.8) Zeichnungen von D. Krenker
(Abb.9) Zeichnungen von D. Krenker

2. Bauperiode - vermutl. Reiterkaserne (ca. 350 - 405)

Erst als Kaiser Valentinian I im Jahr 367 seine Residenz wieder nach Trier legte, erlebte die Stadt einen neuen kaiserlichen Aufschwung und beschädigte Bauwerke begannen wieder ihren alten Glanz zu erlangen. Ab dem Jahr 370 wurden auch die Bauarbeiten an den Kaiserthermen wieder aufgenommen. Allerdings musste sich die Thermenanlage einer kompletten Neugestaltung unterziehen. Die Palaestra wurde beträchtlich (auf Kosten einiger Räume) zu einem großen Platz der umgeben von Säulenhallen war erweitert. Die Kellergeschosse wurden zugeschüttet und die Fußbodenheizung entfernt. 

(Abb.10)
(Abb.11)

Nordöstlich wurde ein neues, aber verhältnismäßig kleines Badehaus errichtet. Die genaue Nutzung der neuen Anlage ist bis heute nicht bekannt, es wird aber von einer repräsentativen Reiterkaserne der berittenen kaiserlichen Leibgarde ausgegangen. Als solches oder ähnliches wurde sie genutzt bis sich der römische Kaiser kurz vor der Jahrhundertwende endgültig aus dem Brandherd Trier zurückzog. Zwischen 406 und 407 wurde Trier zum wiederholtem Male von den Alemannen und Franken aufgesucht, die es erneut brandschatzten und verwüsteten.

Spätere Nutzung

Nachdem sich die Lage in Trier wieder beruhigt hatte und die Franken die Macht übernommen haben, nutzte die Bevölkerung die Ruinen der Thermenanlage für sich. Der westliche Teil wurde als Steinbruch genutzt, andere Teile später besiedelt.

Um das Jahr 1100 entstand die Pfarrkirche Sankt Gervasius und um 1300 die Klosterkirche St. Agneten mit weiteren Werkstätten und Wohnbauten (mind. 3 Kirchen und 1 Kloster konnten nach Ausgrabungen nachgewiesen werden). Während der westliche Teil als Steinbruch nach und nach abgetragen wurde, blieb der östliche Teil mit dem mächtigen Caldarium, dessen Außenwände noch heute die charakterlichen Kaiserthermen bilden, bestehen.

Im Jahr 1102 wurde in Trier mit dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauer begonnen und in dessen Rahmen befahl Erzbischof Albero die Ruinen der Ostfassade in den Bau der Stadtmauer mit einzubeziehen. Eines der mächtigen Fenster des ehemaligen Warmwasserbades wurde nach einer Bodenaufschüttung zu einem mittelalterlichen Stadttor umgebaut. Und die ehemalige Thermenanlage wurde zur südöstlichen Eckbastion der Stadtmauer.

(Abb.12) Ruine der Kaiserthermen um 1800
(Abb. 13) Kaisertherme um 1840

Seit diesem Umbau diente sie zugleich als Wohnsitz des Stadtkommandanten und neuen Burggrafen. (Dank dieser Umgestaltung blieben uns die heutigen Überreste der Ostfassade erhalten).

Mit Napoleon Machtergreifung und Einmarsch der französischen Truppen verlor die Torbefestigung vollends an Funktion und Bedeutung. Als danach die Preußen die Macht übernahmen wurde um das Jahr 1816 mit der Abtragung der mittelalterlichen Umbauten und der Freilegung des großen Warmwasser-Bads (Caldarium) begonnen.

In der Folgezeit (besonders 1912-1914) fanden die ersten aufwendigen Untersuchungen auf dem Areal statt.   

Die Klosteranlagen wurden zu Wohnungen umgebaut aber während des Krieges im Winter 1944/45 in Schutt und Asche gelegt.

Nachdem der westliche Teil des Thermengeländes auf diese Weise völlig zerstört und nach dem Krieg entrümpelt wurde, ergab sich für die Archäologen die Gelegenheit ausgedehnten Grabungen durchzuführen (1960-1966).

Von dem einst grandiosen Bauwerk ragt heute noch die malerische Ruine des ehemaligen Warmwasserbades im Ostteil der Anlage über 19m empor. Und so erhaben der Eindruck auch sein mag, sehen wir heute (oberirdisch) nur noch einen kleinen Bruchteil der einst 37.000qm großen Gesamtfläche.

(Abb.14) August Wille, 1876

Quellenangabe:

Abb.1:  gemeinfreie Bilddatei - Urheber: Berthold Werner - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Trier_Kaiserthermen_BW_1.JPG

Abb.2:  © Berthold Werner - CC BY-SA 3.0GNU-Lizenz für freie Dokumentation - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Kaiserthermen_BW_5.JPG

Abb.3:  © Berthold Werner - CC BY-SA 3.0GNU-Lizenz für freie Dokumentation - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trier_Kaiserthermen_BW_4.JPG

Abb.4:  Die Kaiserthermen - Führungsblatt des Prov.-Museum - Prof. Dr. E. Krüger, 1921

Abb.5:  Führungsblätter des Landesmuseums Trier Nr. 4 (9. Auflage) - Die Kaiserthermen in Trier - Prof. Dr. E. Krüger, 1942

Abb.6:  Gymnasial-Bibliothek - Herausg. Prof. Hugo Hoffmann, Erfurt - 53. Heft "Das römische Trier" von Dr. Franz Cramer, Gütersloh 1911

Abb.7:  Die Kaiserthermen - Führungsblatt des Prov.-Museum - Prof. Dr. E. Krüger, 1921

Abb.8:  Die Kaiserthermen - Führungsblatt des Prov.-Museum - Prof. Dr. E. Krüger, 1921

Abb.9:  Die Kaiserthermen - Führungsblatt des Prov.-Museum - Prof. Dr. E. Krüger, 1921

Abb.10:  Die Kaiserthermen - Führungsblatt des Prov.-Museum - Prof. Dr. E. Krüger, 1921

Abb.11:  Führungsblätter des Landesmuseums Trier Nr. 4 (9. Auflage) - Die Kaiserthermen in Trier - Prof. Dr. E. Krüger, 1942

Abb.12:  gemeinfreie* Bilddatei - Wikimedia Commons - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Trier_%E2%80%93_Kaiserthermen_-_Kupfersich_um_1800_-_Jacques_M.S._Bence.png

Abb.13:  gemeinfreie* Bilddatei - Zeichnung von Johann Jakob Tanner, ca. 1840

Abb.14:  gemeinfreie* Bilddatei - Zeichnung von August Karl Jos. A. Migette, 1876

 

* Dieses Bild ist gemeinfrei, denn
• das Werk wurde von seinem Rechteinhaber durch Verzicht auf das Urheberrecht als Public Domain nach amerikanischem Recht freigegeben, oder
• das Werk wurde unter einem solchen Nutzungsrecht zur Verfügung gestellt, dass es von jedermann frei benutzbar und veränderbar ist (§ 31 Abs. 1 UrhG), oder
• die Urheberrechtsschutzdauer ist abgelaufen, weil mindestens 70 Jahre - bei Fotos: 50 Jahre - seit dem Tod des Urhebers vergangen sind, oder
• eine Anwendung des Copyright kommt nicht in Frage, da eine bloße technische Reproduktion einer gemeinfreien Vorlage vorliegt oder das Werk über keine eigene Schöpfungshöhe verfügt

Weitere ausführliche Informationen gibt es in den Wikipedia-Artikeln Gemeinfreiheit und "Bildrechte".

 

Weitere Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserthermen_(Trier)

Porta
Theater
B-Therme
R-Brücke
Basilika
Kreuz
Dom
Liebfr.
Gangolf
Paulin
Maximin
Matthias
I-Säule